Warface mit Gamepad

Wie spielt sich Crytek's Shooter auf PS4 und Xbox One?

Vor fünf Jahren habe ich Warface das letzte Mal gespielt. Auf meinem alten PC, der mittlerweile seit vier Jahren in Rente ist. Ich hatte damals durchaus Spaß mit dem Shooter und dementsprechend neugierig war ich natürlich auf die Umsetzung für die aktuelle Konsolengeneration.

Besser spät als nie, könnte man auch sagen. Wieso hat sich Crytek bloß so viel Zeit mit der Portierung gelassen? Nun, diese Frage kann ich natürlich nicht beantworten, aber nach einigen Stunden mit der PS4 und der Xbox One Fassung, erlaube ich mir einfach mal ein Urteil über die Qualität des Shooters.

Ja, Warface ist Free2Play, aber...

... zum jetzigen Zeitpunkt nur auf Sony's Konsole. Besitzer einer Xbox One (X) müssen sich ein Early-Access-Paket kaufen, wenn sie sofort loslegen wollen. Der offizielle Release ist hier nämlich erst am 21.10.2018. Ich habe natürlich die 25€ investiert, weil ich zum Einen unbedingt wissen wollte, wo die Unterschiede zur PS4 Version liegen und auch weil ich neugierig war, was man denn für die Kröten sonst noch bekommt, außer dem frühzeitigen Zugang zum Spiel.

Diese Pakete kann man auch kaufen, wenn Warface die Early-Access-Phase verlässt. Insgesamt gibt es vier unterschiedliche Pakete, jeweils mit Goodies für die vier spielbaren Klassen: Schütze, Medic, Scharfschütze und Ingenieur. Ich hab mich für das Schützen-Paket entschieden und eine nette Waffe in Standard-Ausführung und mit Gold-Skin bekommen (FN SCAR-H, ein gutes Sturmgewehr). Dazu noch 300 Kredits, die Echtgeld-Währung im Spiel.

Daneben könnt ihr auch ein Komplettpaket kaufen, dass die Inhalte der vier Klassenpakete enthält. Kostet dann ca. 75€. Würde ich aber nicht empfehlen, weil ihr dann einfach mal mehr als den Vollpreis für ein Spiel bezahlt habt, das eigentlich Free-2-Play ist. Ist aber eure Entscheidung.

Mit harter Währung erworbene Waffen sind stärker

Ja, man erkauft sich einen kleinen Vorteil durch den Einsatz von Echtgeld. Die Wumme aus dem Early-Access-Paket hat schon etwas bessere Stats, als eine Standard-Knarre, die man sich so erspielen kann. Sie ist aber auch nicht extrem overpowered. Das gilt soweit auch für alle anderen Knarren, die ihr euch mit Kredits kaufen könnt. Diese sind außerdem permanent verfügbar. Viele "Gratis"-Waffen bleiben lediglich für einen begrenzten Zeitraum im Inventar und müssen danach erneut gekauft werden (durch erspielbare Währung) – sofern ihr sie unbedingt weiterhin spielen wollt.

Das Waffen-Balancing ist aber insgesamt ok

Auf der PS4 habe ich keinen einzigen Cent ausgegeben, mir ein paar Flinten erspielt und bin damit gut zurecht gekommen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass mich Gegner mit überlegenen Gewehren auseinandergenommen hätten. Auch gekaufte Schießprügel haben nicht nur Vorteile. Höherer Schaden wird zum Beispiel durch eine niedrigere Schussrate, oder schwierigeres Handling ausgeglichen, so dass es am Ende darauf hinaus läuft, seine Lieblingswaffen durch ausprobieren zu finden. Stats sind nicht alles!

Boots on the ground

Warface bietet ein traditionelles Multiplayer-Shooter Erlebnis. Es gibt keine Jetpacks und auch keine Killstreaks. Der Fokus liegt einzig und allein auf dem Kampf. Spieler gegen Spieler, respektive Team gegen Team. Insgesamt erscheint Warface wie ein uneheliches Kind zwischen Call of Duty und Counterstrike. Es erreicht vielleicht nicht ganz die Klasse seiner "Eltern", aber dennoch macht das Gameplay ziemlich viel Spaß.

Easy to learn, hard to master

Natürlich sind Ego-Shooter mehr oder weniger alle gleich. Ihr habt ne Wumme, lauft damit rum und tötet alles, was euch vor die Flinte kommt. Aber Warface macht dabei ziemlich vieles richtig. So fühlen sich die Waffen durchaus unterschiedlich an und sie haben auch ein bestimmtes Schussmuster, welches ihr erstmal verinnerlichen müsst. Die FN SCAR-H zum Beispiel zieht recht schnell nach oben und pustet die Kugeln dann in einem kleinen Kreis auf den Gegner. Dem könnt ihr entgegen wirken, wenn ihr mit dem Thumbstick entsprechend gegensteuert. Das erfordert aber ein wenig Übung, aber es lohnt sich, da ihr so den Schaden besser konzentrieren könnt.

Eine Besonderheit zeigt sich bei den Maps. Manche Areale erreicht ihr nur durch Teamplay, indem ihr einem Kameraden Hilfestellung leistet, um eine Wand zu erklimmen und so auf einer höheren Ebene das Geschehen beeinflussen zu können. Dabei zieht euch der Kamerad auch mit nach oben und so werden interessante taktische Möglichkeiten geschaffen. Vertikalität spielt also auch eine Rolle, aber eben nur durch Teamplay und nicht durch Jetpacks. Super!

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Es gibt auch kontinuierlich neuen Content. Hier die Roadmap für die PS4 Version.

Zusammen ist man weniger allein

Neben den traditionellen PvP Matches bietet Warface aber auch noch kooperative Spielmodi. Gemeinsam im Einsatztrupp werden Missionen, oder aufwändiger inszenierte Raids, gegen KI Soldaten auf verschiedenen Schwierigkeitsstufen absolviert. Mindestens eine Übungsmission müsst ihr sogar spielen, um Zugang zu den Versus Modi zu erhalten. Das hätte man sich aber auch sparen können, denn für erfahrene Spieler ist diese Mission keinerlei Herausforderung und dazu auch noch total langweilig. Zum Glück seid ihr aber in 10 Minuten damit durch und könnt euch dann dem Filetstück des Spiels widmen, dem traditionellen Multiplayer Modus.

Ich will damit nicht sagen, dass PvE in Warface grundsätzlich keinen Spaß macht. Wer auf sowas steht, der findet auch durchaus befriedigende Matches. PvE in Shootern sind nur nicht so ganz mein Ding, von daher hab ich auch nicht gar zu viel Zeit darin investiert. Versucht es einfach mal, wenn ihr Bock auf sowas habt. Vielleicht taugt es euch ja. Ausprobieren kostet in dem Fall nix, also ab dafür ;)

Grafisch ausbaufähig, aber der Sound ist geil!

Warface ist sicherlich keine Augenweide. Die zugrundeliegende Cryengine hat jetzt auch schon mehrere Jahre auf dem Buckel und das sieht man dem Spiel auch an. Ich hab 2013 schon ein Video zu dem Spiel in der PC Fassung veröffentlicht und darin sage ich, dass Warface wirklich gut aussieht. Das war auch nicht gelogen, denn für damalige Verhältnisse war die grafische Präsentation wirklich ansprechend. Nur, heutzutage ist man besseres gewohnt. Call of Duty Black Ops IIII ist zum Beispiel auch kein grafisches Meisterwerk, aber im Vergleich zu Warface wirkt es geradezu photorealistisch.


Lange ist's her... vor 5 Jahren habe ich schon ein Video über Warface auf dem PC gemacht. Zu eurer Belustigung dürft ihr auch gerne mal reingucken ;)

Immerhin ist aber die Framerate völlig in Ordnung. Ich schätze mal, dass 60 FPS das Ziel sind und dieses wird auch überwiegend erreicht. Gefühlt zumindest, hab leider keine Möglichkeit das empirisch nachzuweisen, mangels geeigneter Software. In ganz seltenen Fällen stockt das Gameplay ganz kurz, was mir allerdings nur in dieser Übungsmission aufgefallen ist. Nicht weiter tragisch und ich gehe mal davon aus, dass den Entwicklern dieser Umstand bewusst ist und sie das Problemchen noch beseitigen.

Sound und Trefferfeedback sind aber durchaus gut. Es ist befriedigend, wenn man einen Gegner ins virtuelle Jenseits befördert. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, der dem Spielspaß sehr zuträglich ist. Auch das Orten der Gegner via Gehörgang funktioniert ganz gut, wenn ihr ein brauchbares Headset euer Eigen nennen könnt.

Dedicated Server oder Peer-to-Peer?

Ich habe keine Ahnung, ehrlich gesagt. Hostmigrations sind mir jedenfalls noch nicht untergekommen, was für Dedicated Server sprechen würde. Ganz sicher bin ich mir aber nicht. Offizielle Informationen dazu habe ich keine gefunden. Ihr könnt jedenfalls wählen, ob ihr mit Spielern aus der Nähe zocken wollt, indem ihr eine Region auswählt, oder eben eine globale Spielersuche bevorzugt. Beides funktioniert und ich hatte nicht den Eindruck, dass Spieler aufgrund ihres Pings großartige Vorteile haben. Offenbar gibt es wohl eine "Ping-Compensation", die dafür sorgt, dass eventuelle Nachteile durch die Netzwerkverbindung ausgeglichen werden.

Pay2Win ?

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1000 Kredits kosten 10€. Dafür bekommt man eine permanente Waffe. Meiner Meinung nach viel zu teuer!

Nein. Sicherlich könnt ihr durch den Einsatz von Echtgeld etwas bessere Waffen kaufen, aber ihr müsst auch damit umgehen können. Zudem könnt ihr in Warface durch taktisch kluges Vorgehen viel mehr gewinnen, als durch bessere Waffen. "Spray and Pray" und stumpfsinniges "Run and Gun" ohne Sinn und Verstand wird bestraft. Ebenso egoistisches Spiel, wenn ihr als Medic zum Beispiel nicht heilt, oder niemals Hilfestellung leistet.

Es ist nicht notwendig Geld zu investieren, wenn ihr ein gutes Spielerlebnis haben wollt. Hirn anschalten, Maps lernen, sozial agieren und Waffenhandling adaptieren sind wichtiger. Gilt eigentlich auch für jeden Multiplayer-Ego-Shooter, wird aber auch oft sträflich vernachlässigt. In Warface wie auch anderswo.

Wunschkonzert aka Kritikpunkte

Warface ist ein solider bis guter Shooter, aber wenn ich mir ein paar Dinge wünschen könnte, dann würde Warface in meinen Augen zur ernsthaften Konkurrenz für etablierte Shooter aufsteigen können.

Ich bin keine Grafikhure, aber die optische Präsentation könnte durchaus ein Upgrade vertragen. Hey, Crytek, wir sind im Jahre 2018 und da darf man ein bisschen mehr erwarten!

Außerdem würde ich einen traditionellen Conquest/Domination Modus sehr begrüßen. In Call of Duty heißt das Herrschaft und ist mein absoluter Lieblingsmodus. Ist ganz einfach und macht tierisch viel Spaß.

Senkt die Preise für die Kredits. Ernsthaft, die sind ein wenig zu teuer. Wenn ich mir für jede Klasse das passende Gewehr kaufen wollte, dann müsste ich mehr als für ein Vollpreisspiel bezahlen und ich bin mir dann immer noch nicht sicher, ob es eine gute Investition war.

Wieso kann ich meine Waffe nicht im Inventar anpassen? Ja, ok, ich kann ingame die Aufsätze raufschrauben, aber mir persönlich wäre es lieber das ganz entspannt außerhalb des Spiels zu tun. Und wenn wir schon dabei sind: Verschiedene Loadouts innerhalb der Klassen würden auch nicht schaden.

Gebt mir eine Playlist mit schönen Songs, die ich mir anhören kann, wenn ich in den Menüs, oder der Lobby bin. Zur Zeit herrscht da manchmal Totenstille und das find ich weniger schön. Kann aber auch ein Bug sein. Dann fixt das bitte.

Fazit: Warface (PS4 und Xbox One)
82/100
82/100

Ich habe zur Zeit eine ganze Menge Spaß mit Warface auf den Konsolen. Auch wenn es grafisch ein wenig angestaubt ist und der ein oder andere Bug noch nicht beseitigt ist. Insgesamt macht das Spiel vieles richtig und ist aus meiner Sicht nahe dran, eine ernsthafte Alternative zu Call of Duty und Counterstrike zu werden.

Pay2Win ist ebenfalls kein Thema. Sicherlich kann man sich bessere Waffen kaufen, diese sind aber nicht spielentscheidend stärker. Es liegt dann eher an persönlichen Vorlieben, ob eine gekaufte Waffe besser zum eigenen Gameplay passt. Kann aber auch sein, dass eine frei erspielbare Waffe am besten für euch ist.

Wer auf Online-Multiplayer-Shooter steht, sollte auf jeden Fall mal einen Blick riskieren. Kostet ja nix. Wenn es euch nicht zuträglich ist, dann löscht es halt wieder. Mir persönlich taugt es aber durchaus für die ein oder andere Session zur Entspannung nach Feierabend.

Kommentare

Haby
Mit Online – Multiplayer Shooter bin ich leider noch nie in Berührung gekommen; da ich aber dieses Genre gerne mal ausprobieren will; denke ich zurzeit drüber nach ob ich mir nicht Warface holle und mir anschaue; um dann später meine Eindrücke von diesen Genre zu formulieren. Mal schauen was mein Eindruck von diesen Genre sind. Im schlimmsten Fall wird es ein Antibericht. / Mal schauen.
Dukuu
@Haby Kann sein, dass der Erstkontakt mit Multiplayer-Shootern ein wenig frustrierend ist. Ich erinnere mich an grausame Runden in Medal of Honor, CoD und Battlefield. Meine Güte, was bin ich damals geschlachtet worden. Hatte aber irgendwie trotzdem Spaß daran und den Ehrgeiz dann doch ab und an wenigstens mal jemanden zu töten :D
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