Switch Fitness Boxing

Workout für Gamer und Couch-Kartoffeln

Ich geb's ja zu, mein körperlicher Zustand ist erbärmlich. Ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel führen in meinem Alter eben recht schnell zu überflüssigen Pfunden und da bleibt nur noch Eines zu tun übrig.

Den inneren Schweinehund zum Teufel jagen und Sport treiben. Dazu weniger Bier und Nudeln konsumieren, damit die Wampe wieder in die Klamotten vom letzten Jahr passt. Erkenntnis ist der erste Schritt und solch ein Vorhaben ist auch einfach zu formulieren, aber es hapert in der Regel an der Umsetzung der guten Vorsätze.

Mal etwas Neues wagen

Normalerweise verbinde ich mit Sport eher Schwimmen, Laufen und Rad fahren. Vielleicht geht ihr auch lieber ins Fitnessstudio, oder bevorzugt etwas ganz anderes. Es gibt jedenfalls sehr viele Möglichkeiten der sportlichen Betätigung und wenn ich ehrlich sein soll, dann zählte für mich "Herumhampeln vor der Konsole" bislang nicht unbedingt als Sport.

Die Wetterlage ist aktuell allerdings recht bescheiden und beim gelangweilten surfen durch die Weiten des Internets, bin ich kürzlich auf Fitness Boxing für die Nintendo Switch gestoßen. Nachdem ich mir einige Videos dazu angeschaut hatte, fand ich das gar nicht mal so uninteressant. Die Protagonisten kamen ganz schön ins Schwitzen und anscheinend machte es ihnen auch Spaß.

Da ich ein spontaner Mensch bin, hab ich nicht lange gezögert und den Titel aus dem eShop geladen. Kurz darauf stand ich auch schon vor dem Fernseher und hab mich durch das Tutorial geboxt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Der erste Eindruck

Viel zu sehen gibt es bei Fitness Boxing schon mal nicht. Das wirkt alles recht spröde, oder wenn ich es positiver formulieren soll: zweckdienlich. Das User-Interface ist sehr aufgeräumt und auch einfach zu bedienen, was allerdings weniger dem Talent der Designer zuzuschreiben ist, als dem Umstand, dass es einfach gar nicht so arg viele Funktionen gibt.

Sei's drum, Fitness Boxing ist eben weniger ein echtes Spiel, sondern vielmehr eine Fitness-Anwendung und als solche betrachtet, werde ich mich nicht über die Präsentation beschweren. Dazu habe ich nach dem Tutorial und der ersten 20-minütigen Trainingseinheit sowieso keine Luft mehr.

Rhythmische Kampfsport-Akrobatik

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Rhythmusgefühl und Ausdauer sind gefragt!

Anfangs sind die Trainingseinheiten noch gut zu bewältigen, aber je mehr verschiedene Schläge dazukommen, desto schwieriger wird es, die Techniken sauber auszuführen. Es erfordert wirklich einiges an Übung und viel Schweiß – es sei denn ihr cheatet und bleibt auf der Couch hocken, was zwar auch hervorragend funktioniert, aber den Sinn komplett verfehlt.

Ich jedenfalls hab mir Mühe gegeben und ernsthaft versucht alle Einheiten möglichst gut zu absolvieren. Mein größtes Problem dabei war es im Rhythmus zu bleiben, vor allem gegen Ende des Trainings, wenn die Arme schwer werden und die Brühe am Körper runter läuft, ist das verdammt schwer.

Eine Frage der Motivation

Dementsprechend miese Bewertungen habe ich dann auch am Anfang kassiert. Mein körperlicher Fitnesszustand entspricht also einem 59-Jährigen. Ups, das hatte mich dann doch überrascht und das konnte ich so auch nicht auf mir sitzen lassen. Nach einigen Tagen verbesserte sich aber meine Bewertung und mittlerweile gehe ich als 30-Jähriger durch. Auch subjektiv fühle ich mich langsam besser, das Training tut richtig gut.

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Die verbrauchten Kalorien sind nicht wirklich exakt, aber als Richtwert schon in Ordnung so.

Neben der Altersklassifizierung erzählt mir das Programm auch, wie viele Kalorien ich verbraucht habe. Zur Berechnung werden Körpergröße, Gewicht und Alter, sowie die Dauer und Intensität des Trainings herangezogen. Das ist natürlich nicht wirklich korrekt, aber als grobe Einschätzung reicht das aus. Einen Big Mac kann ich in einer dreiviertel Stunde abtrainieren. Das ist doch schon mal nicht schlecht, oder?

Eigentlich sollte ich täglich trainieren, was aber aus diversen Gründen nicht machbar ist. Zwei bis dreimal die Woche sind aber drin und das ist durchaus hilfreich. Es gibt zwar Belohnungen für Kontinuität, in Form von zum Beispiel neuen Outfits für die Trainerin, oder neue Musikstücke, aber persönlich motiviert mich das weniger, als ein kurzer Blick in den Spiegel und das direkt einsetzende schlechte Gewissen. [Anmerkung: Ihr könnt auch einen männlichen Trainer wählen, aber ich stehe aus irgendwelchen Gründen auf Frauen ;)]

Fazit

Switch Fitness Boxing ist kein Spiel im eigentlichen Sinne. Es ist viel mehr ein Fitness-Trainings-Programm und als solches finde ich es überaus brauchbar. Die Einheiten machen Spaß und sind zugleich körperlich sehr fordernd, wenn ihr euch darauf einlassen wollt.

Die musikalische Untermalung ist Geschmackssache, aber selbst ich, der bekanntermaßen nicht auf Mainstream-Pop steht, finde sie passend und keinesfalls nervig. Am besten gefällt mir Call me maybe, wahrscheinlich auch, weil ich den Song allgemein jetzt nicht so fürchterlich schlecht finde.

"Richtiger" Sport kann nicht durch so ein Programm ersetzt werden, aber als Ergänzung, oder als (Wieder-)Einstieg in sportliche Aktivitäten, kann ich es absolut empfehlen. Es macht mir ungemein viel Spaß und gleichzeitig tue ich ein bisschen was gegen meine Pfunde. Nicht mehr und nicht weniger hatte ich mir erhofft.

Und jetzt entschuldigt mich bitte, ich ziehe gleich meine Box-Joycons wieder an und schlage ein paar Löcher in die Atmosphäre :)

Videospiele und Sport passen doch nicht zusammen, oder? Doch, finde ich, und Fitness Boxing beweist das. Wie findet ihr diese ungewöhnliche Kombination? Macht ihr gerne Sport? Und wenn ja, welchen? Könnt ihr euch vorstellen vor der Konsole herumzuhampeln und Spaß dabei zu haben? Eure Meinung ist gerne in den Kommentaren gesehen.

Über den Author: Timo "Dukuu" Schweda
Dukuu liebt Videospiele und schreibt auch gerne darüber. Auch hängt er gerne mal die krumme Nase in die Kamera und labert dummes Zeug über Videospiele. In seiner Freizeit sollte er lieber mal mehr Sport machen und weniger zocken, damit die fette Wampe ein wenig kleiner wird. Wobei... wen interessiert's?

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