Spiele vorbestellen, oder lieber nicht?

Es kommt darauf an...

Wer Spiele vorbestellt, der frisst auch kleine Kinder. Etwa auf diesem Niveau verurteilen viele Gamer ihre Kollegen, die Spiele vorbestellen. Doch warum ist das so und ist es wirklich grundsätzlich falsch?

Vorbestellungen sind kein neuartiges Konzept. Schon seit vielen Jahren versuchen Publisher ihre Ware schon vor Release an den Mann zu bekommen, und um das zu erreichen, bieten sie den geneigten Käufern immer mehr Anreize auf den Preorder-Button zu klicken.

Kauf mich sofort und du bekommst mehr

Einfach nur die Garantie, das Spiel pünktlich zum Release in der Bibliothek zu haben, würde natürlich niemanden zum vorzeitigen Kauf animieren. Ein paar exklusive Skins sind mittlerweile auch nicht mehr genug.

Häufig bekommen wir noch den Soundtrack, ein extra Kapitel, oder eine spezielle, zeitexklusive Mission, Ingame-Währung, Zugang zu einer Beta und wir dürfen sogar ein paar Tage früher spielen – wenn wir die Limited Edition für 100€ vorbestellen.

Vermutlich habe ich noch das ein oder andere Goodie vergessen und in Zukunft werden noch diverse weitere Anreize geschaffen. Wenn ich mir im Moment das Marketing der Publisher für ihre Vorbesteller-Angebote anschaue, erinnert mich das irgendwie an die überemotionalen Marktschreier auf einem Fischmarkt. Kauft jetzt zwei Kilo Barsch und bekommt noch ein halbes Kilo Scampi mit dazu!

Warum machen die das?

Nächstenliebe ist wohl kaum der Antrieb für die Buhlerei um die im Voraus zahlende Kundschaft. Es geht selbstredend ums Geld, aber nicht nur um die direkten Einnahmen durch die Vorbestellungen. Gerade für die großen, börsennotierten Publisher sind Vorbestellerzahlen sehr wichtig. Analysten stützen ihre Verkaufsprognosen nämlich zu einem großen Teil auf diese Zahlen und das hat wiederum einen direkten Einfluss auf den Aktienkurs.

Außerdem machen sich gute Zahlen bei den Vorbestellungen auch sehr gut in der Berichterstattung der Gaming-Presse. Je mehr Spieler frühzeitig kaufen, desto mehr neigen dazu, ebenfalls gleich zuzuschlagen. 200000 Vorbesteller können ja schließlich nicht irren, oder?

Contra Vorbestellungen

Doch, 200000 Vorbesteller können sehr wohl irren. Selbst wenn das Spiel am Ende wirklich sehr gut sein sollte, heißt das aber noch lange nicht, dass es mir oder euch auch Spaß machen wird. Niemand kann das mit Bestimmtheit wissen, ohne selbst Hand angelegt zu haben.

Natürlich versprechen die Publisher immer nur das Blaue vom Himmel und selbstverständlich wird keine Selbstkritik geübt. Das Produkt will ja auch verkauft werden. Das ist zwar durchaus legitim, aber wenn der Hersteller schon einmal dadurch aufgefallen ist, dass der Wahrheitsgehalt seiner Aussagen in etwa denen eines Barons von Münchhausen entspricht, solltet ihr tunlichst Abstand von Vorbestellungen nehmen. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!

Pro Vorbestellungen

Was spricht aber denn jetzt für Vorbestellungen? Ehrlich gesagt, nicht viel. Es ist schlicht und ergreifend absolut nicht notwendig, Geld für ein Produkt auszugeben, das noch gar nicht direkt erhältlich ist.

Neuerdings gibt es aber für Vorbesteller immer häufiger die Möglichkeit an einer Beta (oder auch manchmal Demo genannt) teilzunehmen. Das ist natürlich eine tolle Sache, wenngleich dann auch meistens eine offene Beta für alle folgt. Trotzdem ist es so, dass für mich so eine Beta die beste Möglichkeit darstellt, ein Spiel noch vor Release begutachten zu können.

Es tut im Grunde auch gar nicht sonderlich weh, diese Vorbestellung zu tätigen, denn sie sind jederzeit vor Release kündbar. Klar, es bedeutet ein bisschen Aufwand, falls das Geld schon abgebucht wurde, aber an dieser Stelle habt ihr das Recht auf eurer Seite. Eine Vorbestellung ist kein bindender Kaufvertrag.

Limitierte Collector's Editions können natürlich auch ein guter Grund für eine Vorbestellung sein. Bin ich absoluter Fan einer Franchise und will unbedingt diese auf 5000 Stück limitierte Statue haben, dann muss ich wohl oder übel vorbestellen – sonst krieg ich sie garantiert nicht; jedenfalls nicht zum normalen Preis.

Die Moral von der Geschicht'...

...die gibt es nicht! Vorbestellungen sind nicht grundsätzlich böse, aber auch nicht unbedingt sinnvoll. Es kommt immer auf den Einzelfall an, und ob ich auf das Knöpfchen drücke, wird erst nach reiflicher Überlegung entschieden. Mit einer Vorbestellung kommt nämlich auch immer eine Message beim Publisher an. Ich sage ihm, dass er alles richtig macht und darauf vertraue, dass meine Kohlen gut angelegt sind.

Deshalb bestelle ich auch nur in Ausnahmefällen vor. Ich muss mir meiner Sache sehr sicher sein und ich muss die Absicht haben, dem Entwickler eine direkte, sehr positive Message zu senden. Beispielsweise habe ich The Division 2 vorbestellt, weil mich sowohl die Closed- als auch die Open-Beta überzeugt haben. Außerdem wurde ich noch zu einem Technical Test eingeladen und es war klar zu spüren, wieviel Herzblut die Entwickler in ihr Baby investieren. Die Vergangenheit hat auch gezeigt, dass sie sich das Feedback der Fans zu Herzen nehmen und all das zusammen begründet in diesem Fall meine Entscheidung zur Vorbestellung. Die Goodies nehm ich dabei natürlich auch dankend mit.

Ich halte mich normalerweise bei Vorbestellungen eher zurück, aber in Ausnahmefällen mach ich es doch. Wie seht ihr das? Bestellt ihr regelmäßig vor, oder grundsätzlich niemals? Oder auch nur ab und zu mal?

Über den Author: Timo "Dukuu" Schweda
Dukuu liebt Videospiele und schreibt auch gerne darüber. Auch hängt er gerne mal die krumme Nase in die Kamera und labert dummes Zeug über Videospiele. In seiner Freizeit sollte er lieber mal mehr Sport machen und weniger zocken, damit die fette Wampe ein wenig kleiner wird. Wobei... wen interessiert's?

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