Nvidia GeForce NOW (Beta)

Gamestreaming im Test

Gamestreaming ist schon eine faszinierende Sache. Teure Hardware ist nicht mehr notwendig, um die neuesten Blockbuster in Top-Qualität auf einem veralteten PC oder Laptop zocken zu können. Die Spiele werden einfach wie ein Film gestreamt. Soweit die Theorie.

In der Praxis habe ich jedoch bislang nicht die besten Erfahrungen mit dem Thema machen können. Vor etwa einem Jahr habe ich Playstation NOW ausprobiert und war einigermaßen ernüchtert. Alte Spiele in 720p mit teilweise heftig matschigen Texturen zocken ist einfach nicht mein Ding. Auch wenn die Eingabelatenz durchaus befriedigend war, so konnte mich das Angebot von Sony damals nicht überzeugen.

Ein aktueller Test von Playstation NOW erfolgt übrigens in den nächsten Tagen und ich bin wirklich gespannt, was sich in den letzten 12 Monaten getan hat. Dazu erscheint dann ein gesonderter Artikel hier auf Player's Central.

Wie habe ich getestet

Mein PC ist gar kein echter PC – im konventionellen Sinne. Ich betreibe das Ding weder mit Windows, noch mit Linux. Da ich ein wenig irre bin, habe ich Mac OS X High Sierra auf meinem PC installiert. Eignet sich normalerweise nur bedingt zum Zocken, dafür aber sehr gut für alles andere, was ich so an meinem PC mache. Softwareentwicklung, Videobearbeitung, Bildbearbeitung und Systemarchitektur-Tests mit diversen virtuellen Maschinen.

Ich habe zwar eine GeForce GTX 1060 verbaut, aber die darf beim Game-Streaming ein Nickerchen machen. Grafik wird von einer Tesla P40 Highend-Grafikkarte auf den Servern von Nvidia erledigt. Otto-Normaluser kauft sich so etwas nicht.

Auch der Intel Core i7-4790K@4.0Ghz, die 16GB RAM und die knapp 6 TB Festplatten sind vollkommen irrelevant für's Streaming.

Außerdem habe ich den Client auch noch auf meinem Macbook Pro 13" aus dem Jahre 2017 installiert. Hierauf tippe ich auch gerade diesen Artikel. Eine wirklich tolle Schreibmaschine. Ab und an code ich auch ein paar Zeilen darauf, aber für Gaming ist das Ding mehr als ungeeignet. Geht gar nicht! Normalerweise.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass ich zuhause einen 200MBit Kabelanschluss von Vodafone nutze. Das ist für alle möglichen Dinge mehr als ausreichend. Sollte auch keinen Flaschenhals beim Game-Streaming darstellen. Mein PC ist per 1Gbit Kabelverbindung in meinem Heimnetz und das Macbook ist über WLAN mit 54Mbit angebunden. Soviel zu den Testbedingungen.

Installation und Konfiguration

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In den Settings lassen sich diverse Optionen konfigurieren. Full-HD mit 60 FPS sind bei mir locker drin.

Mitten in der Nacht erreichte mich eine E-Mail von Nvidia, die einen Aktivierungsschlüssel zur Beta-Version von GeForce NOW enthielt. Auch wenn ich ziemlich müde war, so musste ich doch gleich an meinen PC hüpfen und den Streaming-Client installieren. Das ging reibungslos, ein paar Klicks und das Ding war auf der Platte. Zur Auswahl standen neben dem Mac Client auch noch eine Version für Windows und Nvidia Shield. Habe ich beides nicht, konnte ich von daher auch nicht testen.

Das erste Spiel

Nach dem Start des Clients erblickte ich erst mal eine lange Liste mit Spielen. Darunter auch aktuelle Titel wie Shadow of the Tomb Raider und Scum. Nice. Spielen kann man diese aber nur, wenn man sie bereits käuflich erworben hat. Und zwar die PC-Version auf Steam, UPlay oder auch Blizzard's Battle.net.

Overwatch habe ich vor langer Zeit mal gekauft und auch recht häufig gezockt. Wäre doch gleich mal ein anspruchsvoller Test, da neben dem Streaming auch noch die Latenz stimmen muss, damit man in einem kompetetiven Multiplayer-Shooter bestehen kann. Also ab dafür.

Gut. Erstmal im Battle.net einloggen, auf Play klicken und dann... startet wie erwünscht Overwatch. Offenbar stellt Nvidia für jeden Spieler eine virtuelle Maschine zur Verfügung, die einem sehr leistungsfähigen PC entspricht. Die Ladezeiten sind jedenfalls sehr schnell und so fand ich mich innerhalb sehr kurzer Zeit in meinem ersten Match.

Latenz, Grafik und Sound

Erstmal die Maus ein wenig hin und her bewegen. Klappt. Ein bisschen in der Lobby rumballern. Auch gut. Ich verspüre keine nennenswerten Eingabeverzögerungen. Geht auch alles sehr flüssig von der Hand. Mal in die Grafikeinstellungen gucken. 1920x1080 bei 60Hz. Ja, sieht auch so aus und fühlt sich so an. Vielleicht nicht ganz so scharf, wie man das gewohnt ist, aber in etwa auf dem Niveau eines sehr guten Videos.

In Bewegung erscheint die Grafik ein ganz kleines bisschen weniger scharf, als wenn man "ganz normal" zocken würde. Allerdings sehe ich keine auffäligen Artefakte, oder sowas. Jedenfalls eine ganz andere Welt im Vergleich zu dem, was ich bisher von Playstation NOW gesehen habe. Auch nicht perfekt, aber nahe dran.

Auch das Movement fühlt sich nach 60 FPS an. Alles ist flüssig und ruckelfrei. Das lässt doch hoffen. Und meine Hoffnung wird auch im eigentlichen Match nicht enttäuscht. Das funktioniert hervorragend. Neben den grafischen Anforderungen spielt natürlich auch der Sound eine wichtige Rolle. Hört sich für mich zumindest sehr gut an, ich kann keine Einbußen aufgrund von Komprimierungen feststellen.

Ich kann auch nicht sagen, dass mich gegnerische Projektile aus dem Nichts getroffen hätten. Es war jederzeit nachvollziehbar, warum ich den Löffel abgeben musste und ich konnte das auch nicht auf die Latenz schieben. Ich habe keine Ahnung, ob das jetzt E-Sport tauglich ist, aber für normale Spieler sind keine Benachteiligungen durch das Streaming erkennbar. Wenn es also nicht um Millisekunden geht, kann man Overwatch locker per GeForce NOW zocken.

UPlay und Steam

Nach einer Mütze Schlaf wollte ich aber noch mehr Spiele ausprobieren. Diverse Titel sind in einer Version für UPlay und Steam verfügbar. Ich habe Far Cry 5 über UPlay gekauft, also war es naheliegend das auch mal zu testen. Und was soll ich sagen? Läuft. Butterweich mit ähnlichen grafischen Einschränkungen wie Overwatch. Sieht nicht ganz so geil aus wie nativ auf dem Rechner, aber ist absolut in Ordnung.

Als nächstes wollte ich einen Steam Titel ausprobieren. Da meine Steam Bibliothek riesig ist, habe ich auch eine große Auswahl an Spielen im Geforce NOW Client zur Verfügung. Also frohen Mutes auf Resident Evil 7 geklickt und der Aufforderung zur Anmeldung bei Steam gefolgt. Doch danach sehe ich nichts mehr weiter, außer dem einigermaßen häßlichen Waben-Hintergrund-Muster der virtuellen Maschine in der Nvidia Cloud.

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Den Steam Client kann man auch direkt über Geforce NOW starten – und die Spiele in Lichtgeschwindigkeit installieren.

Ok, nächster Versuch. Civilization 6 angeklickt, bei Steam angemeldet und wieder nichts. Kann ja nicht sein. Also hab ich erst mal gegoogelt, weil ich wissen wollte, ob andere auch Probleme mit Steam Spielen haben. Und tatsächlich, so ist es. Die Lösung des Problems? Einfach den Steam Client direkt aus dem Nvidia Client heraus starten! Dort kann ich ganz normal auf meine Bibliothek zugreifen und die Spiele herunterladen. Das dauert zum Glück nicht lange. Innerhalb von wenigen Sekunden sind viele GB gesaugt und das Spiel ist startklar. So eine Internetanbindung hätte ich auch gerne zuhause! Civilization 6 und Resident Evil 7 ließen sich auf diese Art und Weise auch problemlos spielen.

Fazit

Geforce NOW funktioniert grundsätzlich sehr gut. Natürlich gibt es noch ein paar Kinderkrankheiten und ich hatte sogar einen heftigen Absturz, der mich zu einem Neustart meines PC's zwang. Die Grafik wird manchmal ohne direkt ersichtlichen Grund runter geregelt und Steam Spiele lassen sich, zumindest bei mir und einigen anderen Testern, nur über Umwege starten. Auch ist Zocken in 4K zur Zeit noch keine Option. Full-HD mit stabilen 60 FPS allerdings schon. Natürlich wäre es auch wünschenswert, wenn alle Spiele streambar wären und nicht nur eine Auswahl.

Dennoch macht die Technik insgesamt einen wirklich sehr positiven Eindruck. Wenn die genannten Kleinigkeiten noch beseitigt werden, dann ist Nvidia's Service eine runde Sache und definitiv eine ernsthafte Alternative zum Spielen auf einem (sehr teuren) Gaming-PC. Natürlich vorausgesetzt es gibt entsprechend preiswerte Angebote, wenn das BETA-Label entfernt wird.

Über den Author: Timo "Dukuu" Schweda
Dukuu liebt Videospiele und schreibt auch gerne darüber. Auch hängt er gerne mal die krumme Nase in die Kamera und labert dummes Zeug über Videospiele. In seiner Freizeit sollte er lieber mal mehr Sport machen und weniger zocken, damit die fette Wampe ein wenig kleiner wird. Wobei... wen interessiert's?

Kommentare

Dukuu
Ich habe eine Weile überlegt, ob ich diesen Artikel als Preview veröffentlichen und eine Vorab-Bewertung vergeben soll. Das erschien mir aber nicht wirklich fair, da Geforce NOW noch ein ganzes Stück von der Marktreife entfernt ist. Im aktuellen Zustand würde ich ein knappes "befriedigend" vergeben, aber ich sehe Potential für ein "sehr gut", wenn die Kinderkrankheiten beseitigt sind. Bin gespannt, wie sich der Dienst entwickelt.
ABC
Stand der Dinge! Danke für den Artikel.
Haby
Was ist nur mit den guten Dukuu passiert; am 28.07 beschreibt er das Gamestreaming ne Horrorvision ist und heute nur knapp 3 Monate später; ist er schon ein Game Streamer! Wie schnell das doch geht, das man überzeugt von was anderes ist. :))
Dukuu
@Haby Ich zitiere mich mal selbst aus dem Artikel: "Im Grunde wollte ich nur die positiven, wie auch die negativen Seiten beleuchten. Ich persönlich sehe Game-Streaming sogar eher als eine positive Sache, vorausgesetzt es läuft technisch einwandfrei." Also keine Rede davon, dass ICH Game-Streaming als eine Horrorvision empfinde. Ich habe in dem Artikel damals streckenweise etwas hart formuliert, weshalb ich ja auch verstehen kann, dass man den Eindruck gewinnen konnte. Dem ist und war aber niemals so, dass ich gegen Streaming bin. Ich finde das Konzept super, allerdings wurde es bislang auch noch nirgends zu meiner vollsten Zufriedenheit umgesetzt. Geforce NOW kommt aktuell dem "perfekten Streaming" noch am nächsten, aber wie schon beschrieben hakt es an der ein oder anderen Stelle auch hier noch ein bisschen.
Haby
@Dukuu: Kann dich beim dem Thema gut verstehen; Game - Streaming ist einfach noch ein schwieriges Thema. Einfach auch deshalb weil es noch nicht überall in Deutschland ein gutes Internet giebt. Es wird auch dauern bis jeder Game Publisher seine Spiele für Game Streaming anpassen wird. Ich kann mir gut vorstellen das die Zukunft auf das Konzept der xCloud aufsetzt. Also per Tablet Spiele spielen die eigentlich für den PC oder die Konsolen geschrieben worden sind.
ABC
Ich bin echt mal gespannt, wie wir in 6-8 Jahren zocken werden. Spannendes Thema! Ich würde hier auch gern einen Artikel über diesen Wandel lesen. Von der Diskette zur CD und heute?
Dukuu
@ABC Ich habe tatsächlich vor 3,4 Jahren mal einen Artikel dazu geschrieben, weiß aber gar nicht mehr wo der veröffentlicht wurde. Hab ihn auch nicht mehr zur Verfügung. Hmmm... ist aber eine gute Idee, hat sich derweil ja einiges getan und diesmal verliere ich den Artikel auch nicht. Hab ja mittlerweile auch meine eigene private Cloud, die auf diversen Rechnern gesynct wird. So kommt nix mehr weg. Apropos... vielleicht schreib ich auch mal was über meine Cloud. Die hat nix mit Google, Apple oder so zu tun, sondern die hab ich auf meinem eigenen Server gebastelt. Haby und ich nutzen die unter anderem für die Koordination der Artikel :)
Haby
@ABC: Ich bin der Meinung das wir in 5 - 10 Jahren wirklich nur noch via Smartphones zocken werden. Mithilfe solcher Techniken wie die xCloud werden nach meiner Meinung die Konsolen immer mehr verdrängt. Denn wer will den noch eine Konsole kaufen, wenn er auch die ganzen Spiele bequem am Smartphone zocken kann !
Dukuu
@Haby Naja, ich würde schon gerne weiterhin am großen TV zocken. Die Smartphone Displays sind mir viel zu klein^^
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