Review: Logitech Harmony Elite

Purer Luxus oder sinnvolles Gadget?

Kennt ihr das? Ihr sitzt gemütlich vorm Fernseher, guckt eine tolle Serie und plötzlich wird es unerträglich laut. Wenn genau dann die Fernbedienung den Löffel abgibt, ist‘s ganz schnell vorbei mit der Gemütlichkeit. Deshalb habe ich mir eine neue, unfassbar teure, Fernbedienung zugelegt und was die taugt, lest ihr in diesem Artikel.

Eigentlich wollte ich gar nicht so viel Geld für ein Ersatzgerät ausgeben. Auf meiner Suche bin ich auch recht schnell auf primitive Universal-Plastikbomber gestoßen, die mit Sicherheit mein Problemchen für 10€ aus der Welt geschafft hätten. Unter den alternativen Geräten ist mir jedoch die Logitech Harmony Elite für den stolzen Preis von 179€ direkt ins Auge gestochen. Wie bitte? 180 Öcken für eine blöde Fernbedienung?

Was kann das Ding eigentlich?

Natürlich wollte ich auch genauer wissen, was die hübsche Apparatur so drauf hat. Kann die auch Kaffee kochen? Pausenbrote schmieren? Das Welthunger-Problem lösen? Ich nehm es mal vorweg. Nein, kann sie nicht, dafür aber tatsächlich deutlich mehr, als lediglich die Lautstärke meines Fernsehers regeln.

Die Harmony Elite kann bis zu 15 Geräte steuern, darunter auch SmartHome Devices. Aha, also doch Kaffee kochen! Theoretisch zumindest, ausprobiert habe ich das noch nicht, sollte aber in Kombination mit einer smarten Steckdose tatsächlich funktionieren. 

Abgesehen davon soll man auch Thermostate, Jalousien, Schlösser, Beleuchtungssysteme und mehr fernbedienen können. Ich konnte das nicht alles ausprobieren, weil meine Bemühungen die heimische Höhle smarter zu machen, bislang noch eher in den Kinderschuhen stecken.  Das wird sich aber in den nächsten Monaten ändern und zumindest meine Phillips Hue Leuchten lassen sich tatsächlich per Knopfdruck an- und ausschalten. Das mache ich zwar trotzdem weiterhin per Sprachbefehl an Alexa, die sich auch vor ein paar Wochen bei mir eingenistet hat, aber die Lichtsteuerung lässt sich auch als Teil komplexerer Steuerungsketten einbauen, dazu später aber noch mehr.

Welche Geräte genau kompatibel sind, könnt ihr übrigens hier (https://support.myharmony.com/de-us/compatibility) herausfinden. Hersteller und Produkt eingeben, auf Suchen klicken und mit etwas Glück ist euer Gerät dabei.

Das Gegenteil von Plastikschrott

Zu dem Kurs erwarte ich natürlich ein hochwertig verarbeitetes Stückchen Technik und diesbezüglich wurde ich auch nicht enttäuscht. Die sehr gut in der Hand liegende Fernbedienung ist auf der Oberseite mit Klavierlack veredelt und die Unterseite fühlt sich etwa wie aufgerautes, weicheres Plastik an. Ich bin mir nicht sicher, aus welchem Material genau die Unterseite besteht, aber sie fühlt sich angenehm an und ist auch im Sommer mit schwitzigen Händen rutschfest.

Das verbaute Display  ist recht simpel und auch nicht besonders hoch aufgelöst, aber man kann alle Informationen gut lesen. Auch reagiert es auf Toucheingaben präzise und lässt mich nicht fünf mal tippen, bevor etwas passiert.

Die physischen Tasten haben im Gegensatz zu meiner alten Fernbedienung einen klar definierten Druckpunkt und fühlen sich dadurch nicht so schwammig an, wie bei den meisten Billig-Geräten.

Der zugehörige Hub ist in seinem Design unspektakulär und sieht hauptsächlich zweckdienlich aus. Im Grunde wie ein großer, schwarzer Kieselstein, ist aber ganz leicht. Der Hub sollte zwar eigentlich in Sichtlinie zu den anzusteuernden Geräten stehen, aber da er die Infrarotstrahlen nach oben, vorne, hinten, links und rechts abstrahlt, und somit den Raum in unsichtbares Infrarot taucht, kann er recht flexibel platziert werden. Sogar im Schrank, wenn man die mitgelieferten Mini-Sender anschließt und außerhalb platziert.

An der Verarbeitung habe ich also nichts auszusetzen, lediglich das Display dürfte ein wenig besser aufgelöst sein, aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Und wie nutze ich es?

In meiner Wohnung kann ich jetzt mittlerweile meinen Fernseher (Sony Bravia XE80), die Xbox One X, die Playstation 4 Pro, den Amazon Fire TV Stick und eben meine Beleuchtung mit der Harmony steuern. Das funktioniert mit der Fernbedienung auch alles sehr gut. Ich kann durch alle Menüs navigieren, egal auf welchem Gerät. Das allerbeste allerdings ist, dass durch die Konnektivität mit Alexa jetzt auch vieles per Sprachbefehl geht, was vorher so nicht möglich war. 

Zum Beispiel kann ich sagen „Netflix starten“ und Alexa startet Netflix auf dem Fire TV Stick. Nicht mehr nötig sich durch Menüs zu hangeln, bis die Netflix App gefunden ist.

Ein wirklich tolles Feature ist die Möglichkeit mehrere Aktionen mit einem Tastendruck zu starten, oder ich nutze alternativ die Sprachsteuerung per Alexa um diese Programme zu starten.

Ich sage einfach „Xbox anschalten“ und die Konsole schaltet sich ein, der Fernseher auch und wechselt automatisch auf HDMI 2 und meine Wohnzimmerleuchte dimmt auf 60% herunter. Sehr geil. Zwei Worte und kurze Zeit später ist alles bereit für einen gemütlichen Zockerabend. 

Die Einrichtung dieser Programme ist keine Raketenwissenschaft, aber von ganz alleine geht es natürlich auch nicht. Selbst Alexa will zunächst mal mit einem entsprechenden „Skill“ versehen werden, damit sie quasi die Fernsteuerung fernsteuern kann. Wer also Angst davor hat, sich ein klein wenig mit der Konfiguration auseinandersetzen zu müssen, der sollte vielleicht lieber doch die Finger von der Harmony Elite lassen. Oder sich von jemandem helfen lassen.

Datenschutz und Aluhüte

Ich weiß, vor 5 Jahren hat die halbe Welt Microsoft böse gehatet, weil man über Kinect die Xbox auch per Sprachbefehl anschalten konnte. Es wurde sich über dauerhaft aktive Mikrofone beschwert und die Angst, dass die NSA, oder artverwandte Spitzeldienste, alle möglichen privaten Daten sammeln, war im Internet allgegenwärtig zu verspüren. Ich für meinen Teil bin etwas weniger paranoid und nehme die Annehmlichkeiten der Technik gerne an. Ich trage auch keinen Aluhut und verkrieche mich im Wald – das wäre im Grunde die einzige Möglichkeit sich effektiv zu schützen. Es muss aber jeder für sich selbst entscheiden, wie viel Technik er in seinem Leben haben will und damit automatisch auch Informationen von sich preisgibt.

Zum guten Schluss hier noch ein Link zu einem deutschsprachigen Forum, falls ihr Hilfe benötigt.

Fazit: Logitech Harmony Elite
87/100
87/100

Ich bin bislang durchaus sehr zufrieden mit meiner Investition in die Logitech Harmony Elite. Insbesondere in Kombination mit meiner Haus-KI (Alexa) lassen sich viele Dinge einfacher, bequemer und besser als vorher bedienen. Aber auch ohne Verbindung mit Alexa macht das Teil durchaus Sinn. Vorbei die Zeiten, als man eine bestimmte unter 5 verschiedenen Fernbedienungen suchen musste. Ob man aber bereit ist, dafür 180€ (oder auch mehr, der Preis schwankt auf Amazon zuweilen auch mal auf über 200€) zu zahlen, dass muss jeder mit sich selbst ausmachen. Mir persönlich ist es das wert.

Kommentare

ABC
Viel Sass mit der Logitech Harmony Elite.
Haby
Cooles Unboxing Video und toll geschriebene Review. / Intresannte Geschichte mit der Beschallung; kann mir vorstellen wie nervig das war. (( : /´ Freut mich das bei dir jetzt alles wieder geht, und du so ein tooles Gerät gefunden hast.
ABC
Wegen dem Vlog bin ich am gucken, ob mein Wohnzimmer bereit ist für eine Hue Bridge ist. Ich würde gern Licht auf meine Filme, Serien, Spiele, Musik und auf meine Wünsche abstimmen. Aber ich prüfe erst die kompatibilität der Geräte. Spannend wäre die Frage: Kann die Logitech auch mit der Bridge kommunizieren? Die Voice Geräte wie Alexa sollen es ja können.
Dukuu
@ABC Ja, kann sie. Ich kann die Lampen entweder per direktem Knopfdruck auf speziellen Tasten an- und ausschalten, oder per Aktion. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob auch sowas wie Dimmen geht. Das mach ich aus Faulheit weiterhin per Alexa.
Dukuu
Hab nochmal nachgeguckt... Dimmen per Fernbedienung geht :) ....ist mir aber einfacher "Alexa, Wohnzimmerlampe 30%" zu sagen^^
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