Google Stadia im Test (Teil 1)

Wie gut funktioniert der neue Game-Streaming-Dienst?

Die Revolution des Gamings hat begonnen – jedenfalls, wenn man Google glauben möchte, die ihren neuen Game-Streaming-Dienst Stadia am Dienstag offiziell gestartet haben. Wie gut das funktioniert, habe ich mir für euch genauer angeschaut.

Am 6. Juni 2019 kündigte Google im Rahmen eines speziellen Events mit dem klingenden Namen Stadia Connect einen neuen Streaming-Dienst für Gamer an. Natürlich hat das mein Interesse geweckt, und so habe ich auch die Founder‘s Edition vorbestellt, sobald diese verfügbar war.

Stadia in a Nutshell

Im Rahmen dieses Artikels gehe ich nicht ausführlich darauf ein, was Stadia eigentlich ist. Dennoch hier ein paar Zeilen dazu, damit ihr wisst, worum es geht.

Stadia ist ein Game-Streaming-Dienst, der es euch ermöglicht, Spiele direkt in der Google-Cloud zu spielen. Ihr verbindet euch dazu wahlweise per Chrome-Browser, oder Chromecast Ultra (im Founder‘s Paket inbegriffen) mit den Google-Servern und legt einfach los. Ganz ohne Installation oder Wartezeiten.

Im Gegensatz zum traditionellen Gaming müsst ihr euch hier um nichts weiter kümmern. Die Spiele bleiben stets auf dem aktuellen Stand und ihr benötigt keinen sauteuren Gaming-PC oder eine Konsole.

Ein holpriger Start

Üblicherweise geht man als Vorbesteller davon aus, dass das vorbestellte Produkt dann auch am Release-Tag geliefert wird. Das ist normalerweise der wichtigste Grund, überhaupt irgendetwas vorzubestellen. Eigentlich sollte es auch für einen Multi-Milliarden-Konzern möglich sein, genau das problemlos zu regeln. Aber weit gefehlt. 

In der Vorbestellung war folgendes inbegriffen:

  • Ein Stadia Controller (Farbe: Night-Blue)
  • Ein optimierter Chromecast Ultra (benötigt, um Stadia am TV zu nutzen)
  • Ein Freischalt-Code (Aktivierung eures Kontos)
  • 2 Buddy-Pässe (Stadia Pro für eure Freunde)
  • 3 Monate Stadia Pro Abonnement (Nutzung des Dienstes mit bis zu 4K/60 FPS, Zugriff auf Inklusiv-Spiele, wie Destiny 2)

Bekommen habe ich am 19.11.2019 den Freischalt-Code und die 3 Monate Stadia Pro. Der Controller und der Chromecast Ultra schippern vermutlich irgendwo im Atlantik rum. Mein aktueller, voraussichtlicher Liefertermin ist spätestens der 25.11.2019 und auch die Buddy-Pässe sind erst ab 2020(!) verfügbar. Natürlich hat Google am 16.11.2019 meine Kreditkarte belastet und den gesamten Betrag von 129€ abgebucht. Ich bin auch nicht allein in dieser Situation. Auf reddit.com explodieren die Threads, in denen andere Vorbesteller ihren Frust ablassen, wegen der Unfähigkeit Googles pünktlich und vollständig zu liefern.

Immerhin gehöre ich zu den Glücklichen, die wenigstens den Code erhalten haben und so konnte ich die vergangenen Tage zumindest ausprobieren, wie sich Stadia auf dem PC per Chrome Browser-Client schlägt. Dabei besteht leider die Beschränkung auf 1080p/60 FPS beim Game-Stream.

Sobald ich das gesamte Paket eingehend testen konnte, gibt es einen ausführlicheren Artikel, aber meine ersten Eindrücke möchte ich euch natürlich auch nicht vorenthalten.

Wie läuft es denn so?

Da ich bislang nur per Chrome-Client testen konnte, beziehen sich die folgenden Ausführungen logischerweise nur auf diese Erfahrung. Ich nutze Stadia auf meinem Mac mini (Late 2018), der normalerweise nicht wirklich zum Zocken geeignet ist. Dementsprechend faszinierend ist es auch, einfach stadia.google.com anzusurfen, auf einen Titel in der Stadia-Bibliothek zu klicken und instant spielen zu können.

Ich muss mir auch keinen Kopf um Installationen oder Updates machen. Es ist total egal, ob ein Red Dead Redemption 2 normalerweise x GB Festplattenspeicher fordert. Der Krempel liegt auf den Google-Servern und ich muss mich um keinerlei administrative Dinge kümmern. Einfacher geht zocken heutzutage nicht.

Mittelmäßige Bildqualität, aber saubere Framerate

Grundsätzlich ist das Streaming per Chrome-Browser aktuell auf eine Auflösung von 1080p bei einer maximalen Framerate von 60 FPS beschränkt. Das geht klar auf meinen 27“ Monitoren mit einem Meter Sitzabstand. Leider entspricht die Bildqualität nicht der Ausgabe auf einem lokalen PC und auch Shadow macht hier eine deutlich bessere Figur (Einen ausführlichen Test zu Shadow könnt ihr hier lesen). Während ich beim Streaming per Shadow ein absolut knackscharfes Bild bekomme, dass ich subjektiv nicht von der lokalen Version unterscheiden kann, wirkt die Grafik bei Stadia etwas verwaschen.

Ich weiß zwar nicht, welche Kompressionsmethode Google genau nutzt, aber das Bild wirkt wie ein (gutes) Youtube-Video. Wir alle wissen, wie Youtube komprimiert und das ist weit entfernt von dem, was meine Videoschnitt-Software ausgibt. Es wirkt so, als läge ein Unschärfe-Filter darüber, was sich insbesondere in Bewegung bemerkbar macht. Das klingt jetzt allerdings etwas dramatischer als es ist. Nach ein paar Minuten spielen fällt mir diese leichte Unschärfe nicht mehr weiter auf.

Deutlich besser gefällt mir die Framerate. Die ist (gefühlt, nicht gemessen) ziemlich konstant bei 60 FPS in den von mir getesteten Spielen, mit Ausnahme von Assassins Creed Odyssey. Ausgerechnet das Vorzeigespiel, das vor einem Jahr schon für die ersten Beta-Tests zur Verfügung stand, schwächelt, und drückt höchstens 30 Bilder pro Sekunde durch die Leitung.

Erste Spieleindrücke

Ich habe unter anderem Destiny 2 ausprobiert und da ist mir vor allem positiv aufgefallen, dass die Ladezeiten deutlich kürzer sind, als bei einer lokalen Installation, oder auch bei Shadow. Ansonsten läuft das Spiel in allen Belangen sehr gut. Selbst PvP-Matches sind ohne Probleme spielbar – wenn man von den langen Matchmaking-Zeiten absieht. Es kann schon mal 5 Minuten dauern bis ein Spiel zustande kommt, was vermutlich mit der noch sehr kleinen Player-Base zusammenhängt.

Shadow of the Tomb Raider – Definitive Edition sieht erstaunlich gut aus und läuft sehr sauber. Lara bewegt sich geschmeidig wie eine Wildkatze über meinen Screen und nach ein paar Minuten vergesse ich, dass ich gerade ein Spiel streame.

Das gilt auch für Red Dead Redemption 2 und Samurai Showdown. Sieht alles okayish aus und läuft erstaunlich flüssig. Im Grunde sind also alle von mir getesteten Titel mit ein paar wenigen Abstrichen gut spielbar.

Latenzen

Wenn man kurz die Lauscher in Richtung Internet bewegt und das Geschrei nach dem größten Problem beim Game-Streaming filtert, dann ist das Thema Latenz vorherrschend. Viele Gamer lehnen Streaming grundsätzlich ab, weil die Eingabe-Latenz für sie inakzeptabel ist. Die Wahrheit ist aber: So schlimm ist das nicht, wie viele es darstellen.

Laut Digital Foundry beläuft sich die zusätzliche Latenz auf etwa 40-50 Millisekunden im Vergleich zur Latenz der Xbox One. Die Jungs (und Mädels?) haben sehr gute Möglichkeiten so etwas zu messen und sind allgemein auch sehr vertrauenswürdig, wenn es um solche Dinge geht. Das heißt also, dass es durchaus eine minimale Eingabeverzögerung gibt, aber es bedeutet auch, dass Latenzen nicht das große Problem sind.

Meiner subjektiven Erfahrung nach spielt die zusätzliche Latenz keine besondere Rolle, aber ich bin auch nicht kompetitiv unterwegs und mit 43 Jahren auf dem Buckel ist meine Empfindlichkeit diesbezüglich sowieso eher gering. Wenn ihr kompetitiv unterwegs seid, dann ist Streaming heute und auch in näherer Zukunft sicherlich keine Option. Als durchschnittlich begabter Gamer spielt die zusätzliche Latenz aber keine große Rolle.

Vorläufiges Fazit

Läutet Google jetzt eine Revolution im Gaming ein? Nein, tun sie nicht. Spiele-Streaming funktioniert schon eine ganze Weile sehr gut mit Shadow und im direkten Vergleich der Streaming-Qualität, hat das kleine französische Startup die Nase leicht vorn. Mehr dazu in einem gesonderten Artikel, der Stadia und Shadow direkt miteinander vergleicht.

Viele Versprechen, die Google auf ihrem Event vor einem halben Jahr gemacht hat, sind auch noch nicht eingelöst. So fehlt beispielsweise der Buddy-Pass, die Bildqualität ist unter dem versprochenen Niveau, Keys werden verspätet ausgeliefert und Spiele muss man zwingend über die Smartphone-App kaufen.

Dennoch macht Google einiges sehr richtig und gut. Im besten Fall kauft ihr ein Spiel und könnt sofort loslegen. Keine Wartezeiten, keine Installation, innerhalb von Sekunden seid ihr im Spiel. Insgesamt ist die Performance auch sehr gut und wenn ihr beim Spielen vergesst, dass ihr gerade streamt, dann funktioniert es auch bestens.

Natürlich ist die Performance auch abhängig von Dingen wie eurem Standort (je näher am nächsten Google-Rechenzentrum, desto besser), eurer Netzanbindung (DSLite ist der Teufel) und so weiter. Nächste Woche sollte mein Paket von Google ankommen und dann gehe ich auch auf diese Dinge in einem Folge-Artikel näher ein.

Lustig. Gerade hab ich die Arbeit am Artikel beendet, klingelt es und mein Paket von Google ist angekommen! Ich werde übers Wochenende den Controller und Chromecast am TV ausführlich ausprobieren und nächste Woche kommt dann Teil 2 mit noch mehr Informationen und Eindrücken zu Google Stadia.

Über den Author: Timo "Dukuu" Schweda
Dukuu liebt Videospiele und schreibt auch gerne darüber. Auch hängt er gerne mal die krumme Nase in die Kamera und labert dummes Zeug über Videospiele. In seiner Freizeit sollte er lieber mal mehr Sport machen und weniger zocken, damit die fette Wampe ein wenig kleiner wird. Wobei... wen interessiert's?

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