Gaming Früher, Heute und in Zukunft

Eine persönliche Zeitreise, Teil 3/3: Steam, VR, Streaming

Im letzten Teil meiner persönlichen Zeitreise kommen wir in der Neuzeit an, und ich werfe auch einen Blick auf das Gaming in der Zukunft.

Ich habe eine komplette Gaming-Ära verpasst

Etwa ab 1999/2000 realisierte ich langsam, dass mein bisheriger Lebensstil nicht wirklich gesund ist und erinnerte mich wieder daran, wie viel Spaß es macht zu programmieren. In dem Zusammenhang entdeckte ich auch Linux. Damals war Linux noch sehr viel weniger eine Spieleplattform als heute – genauer gesagt war Linux überhaupt keine Spieleplattform – aber durch dieses Betriebssystem, das so anders und sehr viel besser als Windows war, fand ich wieder den Bezug zu Computern im Allgemeinen.

Das Informatik-Studium habe ich trotzdem nach 2 Jahren abgebrochen und mich dazu entschlossen, stattdessen alles Notwendige autodidaktisch zu erlernen. Es folgten die ersten Jobs in der IT-Branche und so fand ich meinen beruflichen Weg.

Allerdings habe ich in dieser Zeit kaum gespielt. Eigentlich so gut wie gar nicht. Die PS2 und Xbox Ära ist komplett an mir vorbeigegangen. Auch die Entwicklung im PC Bereich, was Spiele angeht, habe ich verpasst.

Ebenso die mittlerweile legendären Nintendo Konsolen NES, SNES, N64, sowie auch SEGA's Megadrive und so weiter – ich habe all diese wundervollen Spielemaschinen einfach nur verpasst. Das hing mit Prioritäten und meiner persönlichen Situation zusammen – es ist nicht ganz so leicht ohne echte Ausbildung in einem Beruf Fuß zu fassen. Zum Glück gibt es heute aber die Möglichkeit diverse Klassiker nachzuholen. Sei es per Mini-Konsole, Emulator oder auf anderen Wegen.

Welcome back. Ein Browser Spiel und die PS3

Ein alter, lange vergessener Freund, schrieb Anfang 2011 auf Facebook , dass er gerade sehr viel Spaß mit einem Browser-Spiel habe. Genauer gesagt mit Shakes & Fidget. Ich stand mittlerweile fest im Leben, war seit 4 Jahren in einem Job als Webentwickler und mein soziales Umfeld war zwar klein, aber zumindest soweit in Ordnung, dass ich meinen Horizont wieder ein wenig für andere Dinge öffnen konnte.

Also habe ich mir einen Shakes & Fidget Account angelegt und angefangen zu zocken. Ich bin ein paar Jahre auf dem Spiel hängen geblieben. Ja, ich habe sogar eine sehr gute Freundin im In-Game-Chat kennengelernt, mit der ich heute noch schreibe. Sie ist mir sogar einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben geworden! [Liebe Grüße an Morgi, hab dich echt superlieb :)) <3]

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Skyrim auf der PS3 lies mich damals sabbernd vor der Konsole hocken. Was für ein Grafik-Hammer!

Ende 2011 kaufte ich mir eine PS3 und war sofort verliebt in das Ding. Skyrim war eines der ersten Spiele, die ich darauf spielte und meine Güte, sah das so gut aus! Ich war total begeistert von der Grafik und natürlich auch von dem Spiel an sich. Und dann kam Call of Duty: Modern Warfare 3 – ohje, wie habe ich dieses Spiel geliebt! Meine ersten (erbärmlichen) Multiplayer Erfahrungen sammelte ich genau mit diesem Spiel und gleichzeitig war es die letzte CoD Kampagne, die ich bis heute durchgespielt habe.

Ja, ich kaufte seitdem jedes einzelne Call of Duty, aber die Kampagnen konnten mich einfach nicht mehr so fesseln wie damals. Dafür habe ich Jahr für Jahr meinen Spaß mit dem Multiplayer. Jedem das Seine, mir das Meine.

PC-Gaming wiederentdeckt

Der PC war für mich jedoch immer noch eine reine Arbeitsmaschine. Natürlich mit Linux als Betriebssystem – ich hatte lange überhaupt kein Windows installiert. Sicher, ich habe zeitweise Windows genutzt. Allerdings immer nur neben Linux, für bestimmte Dinge. Nur eben nicht zum Zocken.

Bis ich 2012 wieder das erste Mal auf dem PC gespielt habe. Nach etwa 15 jahren Abstinenz vom PC-Gaming. Battlefield 3 hatte es mir total angetan. Hunderte Stunden bin ich im Multiplayer-Modus versunken und es war einfach nur geil! Konsequenterweise wurde der PC (wieder) meine primäre Spieleplattform und nachdem ich Steam entdeckt hatte war eh alles vorbei.

Steam und Half-Life

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Mr. Gordon Freeman, der Mann, der niemals spricht. Half-Life 2 ist für mich heute noch einer der besten Singleplayer-Shooter!

10 Jahre zu spät. Ich habe Half-Life (beide Teile) erst 10, b.z.w. 14 Jahre nach ihrem Erscheinen gespielt. Klingt komisch, ist aber so. Ich war, wie schon gesagt, mit anderen Dingen beschäftigt. Aber auch im Jahre 2012 sah ich das Besondere in den Valve-Spielen. Ich hatte unglaublich viel Spaß mit Half-Life (2) und natürlich auch mit Counterstrike und Portal. Die Spielewelt war zwar längst drei Schritte weiter, aber ich holte einfach alles in kürzester Zeit nach.

Dabei war mir Steam eine große Hilfe. Ich musste nicht auf dem Flohmarkt nach uralten Spielen suchen, sondern konnte ganz bequem einfach alles downloaden. Hat mich ein wenig an die 80er Jahre erinnert, als wir uns Spiele per Akustikkoppler gesaugt haben. Ging nur viel schneller.

Retail versus Download

Steam hat die Spielewelt revolutioniert. Diese Revolution habe ich leider verpennt, da ich jahrelang kaum am PC gezockt habe und von daher besitze ich auch keine riesige Sammlung Spielepackungen aus vergangenen Tagen. Ich bin erst mitten im Download-Zeitalter wieder ins Gaming eingestiegen. Spiele saugen ist für mich daher eine völlig natürliche Sache, und ich kaufe auch heute nur selten mal ein Spiel auf einem Datenträger. Außerdem waren die Schachteln früher sehr viel liebevoller gestaltet, mit Handbuch und Artbooks usw. Heutzutage findet man zum Teil eh nur noch einen Download-Code in einer Plastikhülle. Eine rühmliche Ausnahme bilden da nur die Collector's Editions, die mich dann doch im Einzelfall vom Kauf überzeugen. Der Witz ist nur, dass ich in den Fällen meistens nochmal die digitale Version dazu kaufe.

Ich kann zwar nachvollziehen, dass viele Gamer in meinem Alter auf Retail stehen, aber ich für meinen Teil finde das einfach nur zu umständlich. Ich hüpfe gerne von einem Spiel zum nächsten und wieder zurück. Dabei ist das Wechseln von Datenträgern einfach nur lästig. Ich war früher schon angenervt von Spielen, die über mehrere Disketten verteilt waren. War echt geil, wenn man nach vielen Stunden feststellen musste, dass Diskette Nummer 5 einen Fehler hatte und man gar nicht weiterspielen konnte. Super. Gepriesen sei das Internet und die totale Digitalisierung! Vielen Dank an Valve für die Erfindung von Steam, die bislang größte Revolution im Spielevertrieb.

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Für mich immer noch die wichtigste Spieleplattform auf dem PC: Steam.

Mir egal, wo ich zocke!

Ich bin übrigens kein Fanboy. Mir ist die Plattform auf der ich spiele völlig egal. PC, PS4, Xbox, Switch, von mir aus auch auf dem Handy oder Tablet. Mir geht es nur um die Spiele und wenn ein Spiel gut ist, dann ist es eben gut. Forza Horizon ist ein super auf der Xbox. Uncharted und The Last Of Us sind der totale Wahnsinn auf der Playstation. Mario Kart und Splatoon begeistern mich auf der Switch. Die Anno-Reihe hat mich viele Stunden an den PC gefesselt. Nur ein paar kleine Beispiele, die stellvertretend für die vielen genialen Spiele auf allen Plattformen stehen.

Diversität zeichnet die heutige Gaming-Landschaft aus. Das ist einerseits eine gute Sache, andererseits aber auch problematisch. Durch die Konkurrenz müssen sich Entwickler, Publisher und Hersteller auf die Hinterbeine stellen, damit sie die Spielerschaft erreichen. Somit entstehen heutzutage viel mehr qualitativ hochwertige Spiele als früher und dabei beziehe ich mich ausdrücklich nicht nur auf AAA Produktionen, sondern auch auf die vielen Indie-Perlen.

Andererseits ist heutzutage die Gamer-Gemeinde so fragmentiert wie nie zuvor und das ist auch nicht gut. Mal abgesehen von den unterschiedlichen Hardware-Plattformen, sprießen auf dem PC neben Steam gerade immer mehr Distributions- und Spieleclients wie Pilze aus dem Boden. Aktuell gesellen sich neben Origin, UPlay, GoG, Battle.net, Bethesda und vielen mehr, auch noch der Epic Store und ein "Blockchain Powered" Laden namens Robot Cache hinzu. Himmel Hilf! Oder von mir aus auch der Teufel.

Game-Streaming

Auch wenn man mir vorwirft negativ gegenüber Game-Streaming eingestellt zu sein, so ist das einfach nicht wahr. Ich finde die Technik absolut faszinierend! Ist halt nur noch nicht zur Gänze ausgereift und das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass die Zukunft dem Streaming gehört. In nicht gar zu ferner Zukunft wird es total normal sein, dass man Spiele als Service im Abo kauft. So ähnlich wie heute Filme und Serien gucken per Netflix, Amazon Prime und Co ganz normal ist. Es bleibt allerings zu hoffen, dass es hier nicht auch noch zu einer Plattform-Fragmentierung kommt und wir infolgedessen 5 mal zahlen müssen, um in den Genuss aller Spiele zu kommen.

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Project xCloud ist einer von vielen Game-Streaming Diensten. Mal schauen, was die Zukunft bringt.

Wie dem auch sei, vermutlich werden Game-Streaming und die klassischen Varianten des Spielekonsums noch lange nebeneinander existieren. Ein Grund dafür ist, dass es wohl noch eine ganze Weile dauert, bis es weltweit erschwingliches und schnelles Internet gibt. Zur Zeit ist ja sogar selbst hier in Deutschland, im Jahre 2019, stellenweise nur ein Schneckennetz verfügbar. Meine Tante wohnt in einem kleinen Dorf und dort gibt es maximal 16 Mbit per DSL. Das reicht nicht wirklich für Game-Streaming!

Zudem ist die Technik auch noch nicht so richtig ausgereift. Ja, es funktioniert. Ich habe es selbst ausprobiert und finde es aktuell sogar sehr passabel. Die Grafikqualität lässt halt noch ein wenig zu Wünschen übrig und die Eingabelatenz bewegt sich zwar in einem akzeptablen Rahmen, aber für kompetetive Spieler-Naturen reicht das auch noch nicht aus. Von 4K Gaming reden wir an dieser Stelle lieber mal noch gar nicht.

Vielleicht sind die technischen Unzulänglichkeiten aber auch in 10-20 Jahren überwunden und bis dahin redet kein Mensch mehr über Plattformen, oder Fragmentierung der Spielerschaft. Ich fänd das schön.

Was ist mit VR?

Der große Hype um die virtuelle Realität ist zwar mittlerweile ein wenig abgeflacht, aber dennoch sehe ich großes Potential in der Technik für die Zukunft. Ich selbst hatte zwar noch nie eine VR Brille auf dem Kopf, aber ich finde das Thema faszinierend. Mittlerweile gibt es ja die Playstation VR zu einem sehr erschwinglichen Preis und vielleicht kauf ich mir demnächst auch mal so ein Ding. Ist sicherlich ein guter Einstieg in die Welt der virtuellen Realität und meine persönlichen Eindrücke dazu werde ich dann bestimmt auch in einem Artikel hier auf Player's Central beschreiben.

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Playstation VR, ich komme :) Irgendwann in diesem Jahr.

Ich denke VR wird in Zukunft eine größere Rolle spielen, aber das traditionelle "Flat-Gaming" nicht verdrängen. Es wird einfach eine zusätzliche Option sein, die für bestimmte Genres sogar das beste Erlebnis bieten wird. Auch außerhalb des Gamings. Pornos zum Beispiel. Zu dem Thema möchte ich jetzt aber nichts mehr schreiben, hat ja auch nix mit Gaming zu tun.

Seid ihr noch da?

Oh, Hölle. Ich habe jetzt gerade eine ganz schön krasse Textwand fabriziert und über mein Leben, Spiele und Technik schwadroniert. Ich hoffe ihr seid beim Lesen nicht vom Klo gefallen, oder hängt jetzt gerade mit dem Kopf im Monitor, oder so.

Ich wollte euch ursprünglich einfach nur die Entwicklung des Gamings anhand meiner persönlichen Erfahrungen etwas näher bringen. Dabei bin ich zwar stellenweise etwas abgedriftet und habe ein wenig aus dem Nähkästchen meines Lebens geplaudert, aber ich hoffe euch trotzdem einigermaßen gut damit unterhalten zu haben.

Vielen Dank für's Lesen!

Über den Author: Timo "Dukuu" Schweda
Dukuu liebt Videospiele und schreibt auch gerne darüber. Auch hängt er gerne mal die krumme Nase in die Kamera und labert dummes Zeug über Videospiele. In seiner Freizeit sollte er lieber mal mehr Sport machen und weniger zocken, damit die fette Wampe ein wenig kleiner wird. Wobei... wen interessiert's?

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