Gaming Früher, Heute und in Zukunft

Eine persönliche Zeitreise, Teil 2/3: Vom Heimcomputer zum PC

Die Neunziger waren eine wirklich verwirrende Zeit. Grunge, Techno, MDMA und depressive, gelangweilte Kids. Die Technik entwickelte sich indes rasant.

Analoge Informationen

Damals war es gar nicht mal so einfach, Informationen rund um Spiele zu bekommen. Es gab noch kein Internet und schon gar kein Google. Wir mussten ganz analog in einen Laden im RL gehen und uns sogenannte "Zeitschriften" besorgen. Ich weiß, es gibt immer noch Zeitschriften und Magazine. Die Inhalte sind heute allerdings signifikant andere als damals. Brandaktuelle News werden natürlich nur noch im Internet veröffentlicht und sind oft höchstens ein paar Stunden alt. Damals waren News möglicherweise schon ein paar Wochen alt, bevor wir davon in den Zeitschriften lesen konnten.

Was macht ihr eigentlich, wenn ihr in einem Spiel einfach nicht weiterkommt? Richtig, YouTube anwerfen und Video gucken. Früher mussten wir uns untereinander austauschen, hoffen das in irgendeinem Heftchen eine Lösung steht, oder eine Hotline anrufen(!). Bei manchen Spielen stand tatsächlich eine Support-Telefonnummer im Handbuch, oder auf der Packung. Was für eine Zeit.

Ich habe über Jahre hinweg das legendäre Amiga Magazin gelesen. Dazu noch den Amiga Joker, das ASM Magazin, später auch PC Player und diverse andere Heftchen, die neben Spieletests und aktuellen Berichten auch Hardwaretests und Listings von Anwendungsprogrammen veröffentlichten. Ja, ich habe früher auch seitenweise Listings abgetippt und die Programme dann nach meinem Gusto verändert. Allerdings war es fatal, den Code nicht zwischendurch mal zu speichern. Drei Stunden tippen, Programm gestartet, Computer abgeschmiert, Programm weg. Was ein Spaß.

Eine neue Ära

Ich konnte damals meine Tante dazu überreden, mit mir nach Basel zu fahren und eine Amiga-Messe zu besuchen. Das war 1990 und der Amiga 3000 ist gerade erschienen. Motorola 68030er Prozessor mit 25Mhz(!), Amiga OS 2.0, ECS Chipsatz, Zorro III Slots und ISA Slots, 2MB Fast-RAM und 2MB Chip-RAM (für Grafik). Was für eine Maschine. Ich war damals so heiß auf das Ding, dass ich meine Tante quasi totgequängelt habe, mir bitte bitte bitte so ein Ding zu kaufen. Sie wusste, dass ich total versessen auf das Computer-Zeugs war und sie willigte tatsächlich ein. Sie kaufte mir einen Amiga 3000, obwohl sie mittlerweile genau wusste, dass ich das Gerät sicher nicht für die Schule nutzen würde. Aber aus irgendeinem Grund war ihr einfach klar, dass sie mich in meinem Hobby unterstützen sollte.

Ich bin ihr heute noch total dankbar für ihre Unterstützung. Auch wenn der A3000 nur eine kurze Lebenszeit hatte, so habe ich doch sehr viele neue Erfahrungen mit dem Gerät gesammelt, die mir heute noch zuträglich sind.

Der A3000 war eigentlich schon keine echte Spielemaschine mehr. Viele Games liefen gar nicht auf dem Ding, da Amiga Spiele oft sehr unsauber programmiert waren, um das Maximum an Leistung erzielen zu können. Damals wurde zuweilen immer noch direkt in Speicherbereiche geschrieben und diverse andere Techniken angewandt, die auf spezifische Hardware abzielten (in dem Fall genauer gesagt: auf den Amiga 500).

Spätestens Mitte der 90er endete auch die Zeit der Homecomputer und damit auch die Zeit des Amigas. DOS-Spiele sind langsam ansehnlich geworden, CGA und EGA verabschiedeten sich zu Gunsten von VGA und Super-VGA und IBM-Kompatible wurden immer erschwinglicher.

Vom Homecomputer zum Personal Computer

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Häßlich und doch irgendwie charmant. PC's waren lange Zeit beige und klobig.

Kennt ihr noch den original IBM XT? Das Ding mit einem 8086er/8088er Prozessor und 4.77 MHz Taktfrequenz. CGA/EGA Grafik im besten Falle, aber meistens doch nur Monochrom-Grün/Schwarz, oder wahlweise Amber/Schwarz. Oh mein Gott hab ich das Ding bemitleidet, als stolzer Amiga Besitzer. Allerdings fand ich MS-DOS dennoch auf eine verstörende Art bemerkenswert. Ich mochte diesen Monochrome-Charme von MS-DOS durchaus! Dieses archaische und auf das nötigste reduzierte "Design" fand ich spannend. Auch heute verbringe ich noch viel Zeit auf der Konsole, allerdings wäre es ein Verbrechen eine bash mit DOS zu vergleichen – abgesehen von Äußerlichkeiten gibt es da keine Gemeinsamkeiten mehr.

Ein Schul-Freund in den frühen 90ern besaß einen IBM-AT kompatiblen PC, genauer gesagt einen 386er, und genau dieses Ding hatte meine Aufmerksamkeit erregt. Insbesondere Doom faszinierte mich total. (Pseudo-)3D-Grafik verbunden mit dem düsteren Design der Spielwelt und dem aggressiven und total schnellen Gameplay – das war genau mein Ding.

Glücklicherweise sind zu der Zeit auch PC-Erweiterungskarten für den Amiga erschienen. Auf diesen Karten waren eine CPU, RAM und die nötigsten IO-Chips verbaut und ermöglichten es auf diese Weise, einen kompletten PC im Amiga zu nutzen. Quasi zwei Computer in einem. Ich fand das super und besorgte mir eine solche PC-Karte mit 386SX Prozessor.

Genutzt habe ich die PC-Erweiterung allerdings hauptsächlich für Turbo-Pascal. Im Rahmen eines Schulprojekts der "Informatik-AG" (es gab noch kein Fach Informatik damals, nur eine freiwillige AG), entwickelte ich damit einen Texteditor. Ich vermute mal, dass mein damaliger IT-Lehrer nicht wirklich verstanden hatte, wie ich das gemacht habe. Er hat mir einfach eine "Eins" gegeben. Egal, danke dafür. Hat Spaß gemacht.

Mein erster PC

1994 ist einer meiner Großonkel gestorben, den ich zwar kaum kannte, aber er hat mir trotzdem 5000 DM hinterlassen. Ich war gerade 18 Jahre alt, stand kurz vor dem Abitur und war extrem rebellisch. So begab es sich dann auch, dass ich von zuhause ausgezogen bin – knapp 2 Jahre vor meinem Schulabschluss. Ich nahm das Geld um meine erste eigene Wohnung zu finanzieren, aber auch um mir meinen ersten eigenen PC zu kaufen. Ich erinnere mich nicht mehr so genau daran, was das Ding kostete, aber ich weiß noch, dass es ein 75Mhz Pentium PC war. Ein großer, beiger Kasten mit Festplatte, Diskettenlaufwerk und MS-DOS plus Windows 3.11 for Workgroups darauf installiert. Außerdem hatte ich noch irgendeine Voodoo Grafikkarte verbaut. Damals die besten 3D-Grafikkarten, die man bekommen konnte.

Mein Amiga 3000 geriet dann so langsam in Vergessenheit, da ich zu dieser Zeit mehr mit Coding am Hut hatte, als mit Spielen. Ja, natürlich hab ich auch Wolfenstein gezockt bis zum Erbrechen. Und auch Leisure Suite Larry war damals eines meiner Lieblingsspiele.

Spielen war übrigens bei weitem nicht so trivial wie heute. Ich will auf das Thema jetzt nicht näher eingehen, aber die älteren Semester unter euch erinnern sich vielleicht noch daran, dass verschiedene Versionen der config.sys und autoexec.bat gepflegt werden mussten und auch die Hardware wollte ordentlich konfiguriert sein. IRQ's durften sich nicht überlagern und über High-Memory und Extended Memory will ich gar nicht mehr nachdenken. Irgendwo einfach auf "Installieren" und dann auf "Spielen" klicken war schlicht und ergreifend nicht möglich.

Playstation, Lara Croft und Diablo

In den Jahren 1994-1998 verschoben sich meine persönlichen Interessen in eine ganz andere Richtung, was dazu führte, dass ich im Grunde fast gar nicht mehr zockte. Das änderte sich erst wieder, als ich die Playstation für mich entdeckte.

Obwohl ich normalerweise nie ein großer Freund von Konsolen war, habe ich sie mir dann doch gekauft. Insbesondere Spiele wie Tomb Raider und Diablo waren für mich einfach unwiderstehlich. Nächtelang habe ich zusammen mit meiner damaligen Freundin vor der Konsole verbracht. Meistens waren auch diverse andere Menschleins zugegen, die eigentlich aus einem anderen Grund bei uns anwesend waren. Trotzdem verbrachten wir ewig lange Zeit vor der Konsole und hatten einfach eine gute Zeit, auch wenn ich mich manchmal schwarz geärgert habe, wenn Lara mal wieder abgestürzt ist, oder von einer riesigen Steinkugel platt gedrückt wurde.

Neben meinen sonstigen Aktivitäten, die alles andere als sinnvoll waren, habe ich damals die Zeit mit Videospielen sehr genossen. Es war einfach sehr entspannend und hat jeglichen anderen Stress nivelliert.

Wie waren eure Erfahrungen in den Neunzigern? Wart ihr eher im Konsolen- oder im PC-Lager? Nächste folgt der dritte und letzte Teil und wir kommen endlich in der Neuzeit an.

Über den Author: Timo "Dukuu" Schweda
Dukuu liebt Videospiele und schreibt auch gerne darüber. Auch hängt er gerne mal die krumme Nase in die Kamera und labert dummes Zeug über Videospiele. In seiner Freizeit sollte er lieber mal mehr Sport machen und weniger zocken, damit die fette Wampe ein wenig kleiner wird. Wobei... wen interessiert's?

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