Gaming Früher, Heute und in der Zukunft

Eine persönliche Zeitreise, Teil 1/3: Wie alles begann

Im zarten Alter von 8 Jahren habe ich das allererste Mal ein Videospiel gespielt. Mitten im kalten Krieg, anno 1984, in einer Kneipe um die Ecke an einem Arcade-Automaten, der mit Heiermännern gefüttert werden wollte.

Nein, Heiermänner waren keine Goblins, die ich in den Automaten stopfte, sondern harte 5-DM-Stücke, die es mir erlaubten, eine gewisse Zeit zu zocken. Bomb Jack hatte es mir damals total angetan und während meine Eltern mit Erwachsenenkrams ihren Spaß hatten, habe ich alle 30 Minuten oder so an Papa's Hose gezupft und nach mehr Kohlen für den Automaten gebettelt. Im Nachhinein denke ich, sie waren froh, dass ich beschäftigt war und deshalb haben sie mich halt spielen lassen. Spricht nicht direkt für elterliches Verantwortungsgefühl, aber über solche Dinge hab ich mir damals keine Gedanken gemacht. Ich war einfach nur glücklich damit, Bomben zu legen.

Vom Automaten zum C64

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Den C64 gab es in verschiedenen Varianten. Diese hier sah eher so aus, wie ein Schrumpfversion des Amiga 500. Den legendären "Brotkasten" fand ich persönlich immer potthäßlich.

Drei Jahre später wohnte ich auch nicht mehr bei meinen Eltern. Nach einigen unerfreulichen Ereignissen adoptierte mich meine Tante – allerdings war sie so ganz und gar nicht von Videospielen angetan. Natürlich war das Leben insgesamt deutlich besser bei meiner Tante (und meinen Großeltern), aber zocken musste ich erstmal bei einem Kumpel. Er nannte einen C64 sein Eigen und wir spielten damals mit Freude Bard's Tale auf der "Brotkiste". Er ging auf die Nachbarschule, aber wir hatten den gleichen Weg. Keine Ahnung, wie wir uns damals kennenlernten, aber wir redeten im Schulbus oft über Spiele und irgendwann bin ich nach der Schule mit ihm nach Hause gegangen und wir haben zusammen gezockt.

Es gab zwar keinen Multiplayer-Modus, aber wir sind trotzdem zusammen in dem Spiel versunken. Außerdem musste ja auch eine Karte angefertigt werden – es gab damals noch keine (Mini-) Maps in Spielen. Zu diesem Zweck malten wir mühsam das Layout der Dungeons auf Rechenpapier, damit wir einigermaßen die Orientierung behalten konnten.

Mein erster Computer

Ein Jahr lang bequatschte ich meine Tante, weil ich unbedingt auch einen Computer haben wollte. Das Argument mit den Videospielen war leider nicht sehr überzeugend, aber ich entwickelte in der Zeit auch noch eine andere Leidenschaft. Ich war begeisterter Fix&Foxi Leser und es gab damals neben den Comics auch einen C64 Basic Kurs zum Lesen. Als 12-jähriger Pimpf war ich total begeistert von der Idee, auch eigene Programme zu schreiben. Da ich keinen eigenen Computer hatte, bin ich nach der Schule auch immer öfter für 1-2 Stunden ins örtliche Karstadt gegangen, um dort an den ausgestellten 64ern das gelesene Wissen praktisch auszuprobieren. Die Verkäufer waren davon allerdings wenig angetan, da ich auch des öfteren mal Dinge versuchte, die die Maschinen haben abstürzen lassen. Die älteren Leser unter euch wissen schon, was ich meine. Peeken und Poken kann zuweilen lustige Effekte haben.

Jedenfalls nervte ich weiterhin meine Tante und ich fing damit an, ihr ausführlich von meinen ersten Programmier-Erfahrungen zu berichten. Sie hat dann irgendwann eingesehen, dass Computer in Zukunft eine große Rolle spielen werden und so sind wir eines Tages auch tatsächlich los und ich durfte mir einen Computer kaufen. Obwohl ich damals eigentlich nur Erfahrungen mit dem C64 hatte, war ein ganz anderer Rechner 1988 in aller Munde. Der Amiga! Ich überlegte damals lange, ob ich lieber einen C64 (oder auch einen C128) wollte, oder einen Amiga 500. Ich entschied mich letztendlich für den Amiga 500 und damit für die Zukunft.

Amiga Fever

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Mein erster eigener Computer war so ein Amiga 500. Aus irgendwelchen Gründen hatte ich allerdings wesentlich mehr externe 3 ½ Zoll Laufwerke^^

Natürlich hatte ich meiner Tante hoch und heilig versprochen, dass ich keine "Ballerspiele" spielen werde und ich den Amiga für die Schule benutzen würde. Öh, ja klar, natürlich für die Schule. Ich hab den Amiga nie für irgendwelche Hausaufgaben genutzt. Ich hatte zwei Leidenschaften. Zum Einen lernte ich diverse Programmiersprachen. Das hatte langfristig tatsächlich auch einen Sinn. Ich arbeite schließlich seit 20 Jahren als Softwareentwickler und damals legte ich sozusagen den Grundstein dafür. Natürlich zeigte ich meiner Tante, was ich alles so programmierte. Nur verstand sie davon gar nix, aber heute ist sie froh, dass sie meinem Wunsch nach einem Computer nachgekommen ist.

Meine zweite große Leidenschaft waren aber Computerspiele. Ich liebte den Amiga für seine großartigen grafischen Fähigkeiten. Der C64 geriet immer mehr ins Hintertreffen und der Amiga war einfach State-of-the-Art, wenn es um wunderschöne Spiele ging. Ich hatte also die richtige Entscheidung getroffen. Ja, es gab auch noch den Atari ST, der konnte aber nie wirklich mit dem Amiga konkurrieren. Außerdem war es damals auch eine philosophische Frage, ob man eben zum Amiga-Lager, oder zum Atari-Lager gehören wollte. Im Nachhinein betrachtet war aber auch der Atari ST(E/F) eine tolle Maschine, nur habe ich niemals Kontakt zur Atari-Welt gehabt.

Was ist ein Joystick?

Damals gab es noch keine Gamepads, wie wir sie heute kennen. Spiele wurden entweder mit Maus und Tastatur gespielt, oder eben mit einem Joystick. Die Dinger waren im Grunde Wegwerfprodukte, da sie von Spielern bis auf's Äußerste malträtiert wurden, vor allem in Spielen wie Summer GamesWinter Games, oder diesem frivolen Sexspielchen, dessen Namen mir leider entfallen ist. Zumindest bis der legendäre Competition Pro erschienen ist. Dieser Joystick war geradezu unkaputtbar, mit seinen langlebigen Microschaltern und seiner hervorragenden Verarbeitung.

Es war auch der letzte Joystick, den ich mir bis heute gekauft habe. Sicherlich gibt es immer noch Joysticks und vor allem Freunde von Flugsimulationen und Fighting-Games wissen diese auch noch zu schätzen, aber für mich taugen heutzutage Gamepads eigentlich für so ziemlich alle Genres.

Spielen ohne Kohlen

Computerspiele gab es aber auch damals nicht umsonst. Ich habe gehört, dass pubertierende Teenager nur eine begrenzte Menge an Taschengeld hatten und das war bei weitem nicht ausreichend, um all die schönen Games kaufen zu können. Gerüchten zufolge kauften sich die jungen Leute stattdessen lieber haufenweise Leerdisketten. Auf dem Amiga haben aufgrund der Tatsache, dass 5 ¼ Zoll Disketten günstiger waren als die moderneren 3 ½ Zoll Disketten, auch die entsprechenden Laufwerke eine Renaissance erfahren.

Die Leute trafen sich gerne am Wochenende, um die neueste Software zu kopieren. Es wurden diverse Laufwerke mitgebracht und ansehnliche Kopierstation gebaut. Mit Programmen wie X-Copy und White Lightning wurden die ganze Nacht hindurch Spiele kopiert. Das war vermutlich eine Art Vorläufer von LAN-Partys.

Postfächer und Kontakte im In- und Ausland spielten bei der Beschaffung ebenfalls eine tragende Rolle. Software und Demos wurden in Päckchen quer über den Globus verschickt.

Manche besaßen sogar schon einen Akustikkoppler und saugten die heißbegehrten Spiele und die aktuellsten Fish Disks von sogenannten Mailboxen. Es gab noch kein Internet in dem Sinne. Nur einzelne Server, die man anwählen konnte, wenn man über die entsprechenden Telefonnummern und Zugangsdaten verfügte.

Fish-Disks waren übrigens total legal. Public Domain Software nannte man das damals und im Grunde waren das hauptsächlich kleine Anwendungsprogramme und Utilities, die jedem vollkommen kostenfrei zur Verfügung standen.

Tauschmarkt Schulhof

Spiele wurden damals also eher selten legal gekauft, sondern auf verschiedenen Wegen besorgt. Auf dem Schulhof gab es auch jede Menge williger Abnehmer für die "Sicherheitskopien", die im wöchentlichen Abo zu einem Spottpreis erhältlich waren.

Auf diese Weise finanzierte sich damals manch einer sein Hobby. Inklusive der Hardware, die dazu notwendig war. Mehrere Diskettenlaufwerke und die erste 20MB Festplatte für den Amiga mussten ja auch erstmal angeschafft werden. Dazu noch eine Speichererweiterung um 512KB und diverser anderer Krempel.

Ich persönlich habe natürlich niemals auch nur eine einzige Raubkopie besessen. Ehrlich, ich kenne das alles auch nur vom Hörensagen. Erinnert ihr euch noch an eure ersten Erfahrungen mit Videospielen? Schreibt es gerne in die Kommentare.

Das war Teil 1 meines persönlichen Rückblicks. Nächste Woche geht es dann weiter mit Teil 2 und dem Abschied der Homecomputer.

Über den Author: Timo "Dukuu" Schweda
Dukuu liebt Videospiele und schreibt auch gerne darüber. Auch hängt er gerne mal die krumme Nase in die Kamera und labert dummes Zeug über Videospiele. In seiner Freizeit sollte er lieber mal mehr Sport machen und weniger zocken, damit die fette Wampe ein wenig kleiner wird. Wobei... wen interessiert's?

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