Game Of Thrones

Finale Gedanken, Gedanken zum Finale

Es ist vorbei. Acht Jahre Intrigen, leidenschaftliche Beziehungen, Meuchelmorde und große Schlachten um den eisernen Thron. Die Geschichte ist erzählt und lässt mich emotional zwiegespalten zurück.

ACHTUNG! Im folgenden Text wird hart gespoilert. Solltet Ihr Game of Thrones noch nicht bis zum Ende gesehen haben, schließt diese Seite und habt einen schönen Tag :)

Ich bin ja wirklich so irre und habe mir alle der finalen Staffel vorangegangenen 7 Staffeln Game of Thrones innerhalb von 3 Wochen nochmal angeschaut. Das musste einfach sein, damit die vielen Handlungsstränge und die Beziehungen der Protagonisten wieder frisch in meinem Gedächtnis verfügbar waren.

Überhastetes Storytelling

So ist mir auch diesmal der Bruch ab Staffel 7 besonders aufgefallen. Der Zeitpunkt ab dem die Serie ohne Buchvorlage auskommen musste. Ich selbst habe bislang nur das erste Buch von A Song of Ice and Fire gelesen und finde, dass die erste Staffel recht nahe an der Buchvorlage bleibt. Dementsprechend hoch ist auch die Qualität der Story.

Ab der 7. Staffel geht mir aber alles viel zu schnell und das ist auch mein größter Kritikpunkt. Warum haben sich die Showrunner auch dazu entschlossen, lediglich 13 statt 20 Folgen für die letzten beiden Staffeln zu produzieren? Kann mir doch keiner erzählen, dass es an Geld mangelte. Game of Thrones ist schließlich eine der erfolgreichsten Serien überhaupt und spülte eine beachtliche Menge Gold in die Kammern von HBO.

Mit 7 weiteren Folgen hätte man wichtige Dinge, wie die Verwandlung Daenerys' zur Mad Queen, wesentlich besser darstellen können. Auch Cersei hätte am Ende noch etwas mehr Screentime gut getan. Ganze 25 Minuten war sie in Staffel 8 zu sehen und was hat sie getan? Wein gesoffen und ausm Fenster geglotzt. Ok, ein paar Minuten hatte sie wenigstens noch für ihren glanzlosen Abgang.

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Cersei ist in der finalen Staffel zu kurz gekommen. Ich konnte ihren Wahnsinn deshalb nicht vollständig nachvollziehen. 

Ebenfalls völlig irre fand ich, wie schnell die Protagonisten plötzlich riesige Entfernungen überwinden konnten. 3000 Meilen von Winterfell bis Kings Landing auf dem Pferd, oder zu Fuß, in gefühlten 10 Minuten. Ich übertreibe hier jetzt ein wenig, aber Distanzen fühlten sich in den ersten 6 Staffeln einfach richtiger an. Am Ende werden die Figuren einfach dahin gebeamt, wo sie eben gerade für die Story gebraucht werden.

Cersei ist tot, Dany ist tot, es lebe... Bran?

Ausgerechnet der aus meiner Sicht enttäuschendste Charakter der gesamten Serie wird am Ende König. Die Geschichte um Bran, der als Kind einen dramatischen Schicksalsschlag erleiden musste und fortan nach seiner Bestimmung suchte, hatte so viel Potenzial. Wie gerne hätte ich erfahren, was genau es mit dem dreiäugigen Raben auf sich hat, und wie gerne hätte ich gesehen, dass Bran eine wichtige und auch entscheidende Rolle gespielt hätte.

Und was passiert? In der epischen Schlacht gegen die Armee der Toten "wargt" sich Bran einfach in einen Schwarm Raben und flattert total sinnlos über der Schlacht herum. Es war ja bekannt, dass alle mit den White Walkern verbundenen Toten den Geist aufgeben, wenn ihr Walker-Chef stirbt und es lag die Vermutung nahe, dass durch den Tod des Night Kings möglicherweise sogar die komplette Armee am Arsch ist. Also warum zum Henker hat Bran nicht versucht die Positionen der White Walker und des Night Kings ausfindig zu machen und damit wertvolle taktische Informationen zu erhalten? Aber okay, die ganze Schlacht war eh aus taktischer Sicht vollkommen idiotisch "geplant". Insofern war auch das konsequent dumm.

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Außer rumsitzen und sich in unschuldige Wesen versetzen macht er eigentlich nix. So wird man König.

Ich kann nicht Lord von Winterfell werden, denn ich bin jetzt nicht mehr Bran, sondern etwas anderes

Aber König der 6 Königslande will er sein. Und Sansa darf alleine über den Norden herrschen, als Queen of the North. Hat er alles kommen sehen und deshalb ist er den ganzen Weg gegangen. Bran ist also nur seiner Macht-Vision nachgelaufen und alle feiern ihn am Ende als beste Wahl? Er hat nichts, aber auch gar nichts produktives gemacht und wird dafür auch noch belohnt? Das ist aus meiner Sicht der bittere Teil des bitter-sweet Endings.

Ohne George R.R. Martin wurde die Story verkackt

Ich habe es ja schon angedeutet, was genau meiner Meinung nach das Problem der letzten beiden Staffeln ist. Es fehlte die Grundlage in Form der Bücher. Es ist so offensichtlich, dass völlig untalentierte Schreiberlinge ab Staffel 7 am Werk waren, die es trotz grober Vorgaben durch GRRM nicht geschafft haben, die sehr hohe Qualität der Geschichte zu erhalten.

Stellenweise ist die Story sogar zu total hanebüchenem Schwachsinn verkommen, mit klaffenden Logiklücken, größer als der Marianengraben. Ich will jetzt nicht im Detail darauf eingehen, das würde den Rahmen der Kolumne sprengen. Es gibt einfach zu viel Unsinn, der da produziert wurde.

An dieser Stelle nur mal zwei Beispiele. Bei der Schlacht um Winterfell gegen den Night King sind gleich zu Beginn so ziemlich alle Dothraki gefallen. In der letzten Folge sieht man aber wieder eine stattliche Anzahl von ihnen. Ebenso die Unbefleckten. Hatte Dany etwa noch eine halbe Armee irgendwo gebunkert, oder wo kommen die plötzlich alle wieder her?

In der letzten Folge pustet Drogon nach dem Mord an seiner Mutter den eisernen Thron weg. Er hat doch genau gesehen, dass Jon Stark alias Aegon Targaryen der Mörder war. Ist das Viech plötzlich so intelligent, dass er Danys streben nach dem Eisensessel als eigentliches Übel ausmachen kann und deshalb so handelt? Das ist leider total unglaubwürdig, denn so eine Aktion wäre nur logisch, wenn die Drachen schon früher als hochgradig intelligente Wesen dargestellt worden wären.

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Drogon rächt seine Mutter und brennt den eisernen Thron zu Klump.

Das Ende wurde durch George R.R. Martin vorgegeben und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es einen Sinn ergeben hätte, wenn der Weg dorthin anders erzählt worden wäre. Die Geschichte um Bran ist viel zu kurz gekommen, als dass seine Motivation und seine Rolle nachvollziehbar sein konnte.

Danaerys mutierte viel zu schnell zur Mad Queen. Den sich anbahnenden Wahnsinn hätte man schon deutlicher vorher spüren müssen. Bis zur Auslöschung der unschuldigen Bewohner in Kings Landing, hatte sie eigentlich immer das Herz am rechten Fleck. Auch wenn sie als Herrscherin bis dahin durchaus konsequent das Auge-um-Auge-Prinzip durchgezogen hat, etwa bei der Kreuzigung der Master in Meeren.

Ein paar versöhnliche Worte

Ich habe mich insbesondere in Staffel 8 über fast jede einzelne Folge furchtbar aufgeregt. Das war alles überhastet, oftmals total unlogisch, vieles war gar nicht nachvollziehbar, und ich bin das Gefühl nicht losgeworden, dass die Macher die Serie zwanghaft zum Ende prügeln wollten.

Es wäre aber unfair, einfach zu sagen, dass die letzte Staffel ein totaler Griff ins Klo war. Die Inszenierung war hochgradig professionell, die Kameraführung oft ein Träumchen, der Schnitt einfach nur Oberklasse und so manchen Shot werde ich im Leben nicht mehr vergessen, weil sich die Bilder tief in meinen Kopf eingebrannt haben.

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Daenerys Hitler. Oder so ähnlich. Die Stadt ist niedergebrannt und die Herrscherin spricht zu den treu ergebenen Truppen.

Etwa als Dany in der letzten Folge vor ihre Truppen tritt und sich hinter ihr Drogon aufbäumt und es so aussieht, als hätte sie mächtige Flügel. Dazu diese imposante Inszenierung im Stil der bekannten Propaganda-Filmemacherin Leni Riefenstahl. Dann auch noch diese Rede von Dany, die mir ein kaltes Schauern über den ganzen Körper gejagt hatte. Die gesamte Szenerie erinnerte eindrücklich und unverkennbar an unsere irren Vorfahren im dritten Reich. Das war für mich der letzte Beweis dafür, dass Dany vollkommen dem Wahnsinn verfallen ist.

Die ersten beiden Folgen der letzten Staffel fand ich auch noch sehr gut gemacht. Da war das Tempo noch vollkommen in Ordnung. Die Vorbereitungen auf die möglicherweise schlimmste Schlacht im Leben eines jeden einzelnen, das Einfangen ihrer Gefühle und einige wenige Momente, die mich schmunzeln ließen – beispielsweise diese abstruse Geschichte über Tormunds Erfahrungen mit Riesenmilch. Ähm, ja, das war schon verstörend und gleichzeitig amüsant.

Letzte Worte

Game of Thrones ist insgesamt eine der besten Serien überhaupt. Bis Staffel 7 überzeugt neben der technisch überragenden Inszenierung auch noch die Geschichte. Es gibt so viele großartige Dialoge, wahnsinnig talentierte Schauspieler, die mich mit ihrem Können vollkommen überzeugt haben. Unerwartete Wendungen, unfassbar emotionale Momente, die mir ein ums andere Mal ein paar Tränchen entlockten. Tränen der Freude und Tränen der Trauer. Es gibt keine andere Serie, die mich jemals so dermaßen stark emotional gepackt hat.

Leider konnten die Macher ohne die Buchvorlage das extrem hohe Niveau in den letzten beiden Staffeln nicht mehr halten. Handwerklich waren es vielleicht sogar die besten Staffeln, aber inhaltlich leider nicht. Unfassbar tolle Bilder und die besten Schauspieler nützen am Ende halt auch nichts, wenn die Geschichte verschissen wurde.

Ich muss wohl doch die Bücher weiter lesen und hoffe, dass George R.R. Martins Genie das Ende der Geschichte logischer und eindrücklicher erzählt, als es die (Entschuldigung) dämlichen Schreiberlinge der letzten beiden Staffeln getan haben.

Ich könnte noch sehr viel mehr schreiben. Über all die tollen Momente, die ich in Game of Thrones erlebt habe. Und ich könnte noch viel intensiver über das Ende motzen. Aber das würde an dieser Stelle zu weit gehen. Wir können aber gerne in den Kommentaren über einzelne Aspekte reden oder diskutieren. Wie fandet ihr die Serie im Ganzen und den Schluß im Besonderen? Schreibt gerne eure Meinung dazu in die Comments :)

Über den Author: Timo "Dukuu" Schweda
Dukuu liebt Videospiele und schreibt auch gerne darüber. Auch hängt er gerne mal die krumme Nase in die Kamera und labert dummes Zeug über Videospiele. In seiner Freizeit sollte er lieber mal mehr Sport machen und weniger zocken, damit die fette Wampe ein wenig kleiner wird. Wobei... wen interessiert's?

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