Ein Jahr in Freiheit

Weshalb ich Facebook verlassen habe

Vor etwa einem Jahr habe ich Facebook gekündigt und weine dem Dienst keine einzige Träne hinterher. Dennoch war es damals ein komisches Gefühl, einfach so den Stecker zu ziehen und all meine Freunde zu verlassen.

Natürlich waren auch die wenigen echten Freunde überrascht von meinem Austritt aus der größten Online-Community der Welt. Die allermeisten Facebook-Bekanntschaften haben aber vermutlich nicht einmal bemerkt, dass ich plötzlich weg war. Bevor ich jetzt erkläre, weshalb ich mich zu diesem Schritt entschlossen habe, erkläre ich aber erstmal warum ich überhaupt ein Profil auf Facebook angelegt hatte.

Zunächst wollte ich gar nicht

Ich sträubte mich wirklich sehr lange gegen Facebook. In meinem näheren Umfeld waren alle schon längst auf der Plattform vertreten und haben ihr Mittagessen gepostet, während mir die ganze Sache widerstrebte. Warum sollte ich auch dauernd irgendwelche Gedankenfürze, oder 200 Bilder von mir selbst und meiner Nahrung, vollkommen grundlos jedem auf die Nase binden wollen?

"Ich habe 798 Facebook-Freunde, ich bin ein toller Hecht"

Na super, da werden Freunde gesammelt wie Kronkorken, nur um damit anzugeben, wie beliebt man doch ist. Da werden einfach wild Leute hinzugefügt, die seit 25 Jahren ein total anderes Leben führen und die eh nie echte Freunde waren. Egal, hauptsache noch nen Kronkorken aus dem Dreck gefischt und ab damit in die Sammlung.

Ich ließ mich aber überzeugen

Ich fand wirklich nichts positives an der Sache, bis ich anfing Videos auf YouTube zu produzieren. Meine kleine Community überzeugte mich davon, dass ich auf Facebook vertreten sein muss.

"Deine Videos werden geteilt und du erreichst viel mehr Leute"

Das war jetzt endlich mal ein einleuchtendes Argument. Ich würde meine Videos auf Facebook posten und dann teilen sie alle und ich erreiche Menschen, die ich sonst nie im Leben hätte erreichen können. In meiner grenzenlosen Naivität fand ich das super und so entschloss ich mich doch dazu ein Profil anzulegen – aber nicht unter meinem echten Namen. Facebook sollte nur Mittel zum Zweck sein und nicht uralte, ferne Bekannte anlocken, die ich möglicherweise nicht unbedingt wiedersehen wollte.

Passend zum Namen meines YouTube-Kanals Dukuus Ballerbude eröffnete ich also einen Account unter dem Namen Dukuu Sithlord.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

Natürlich habe ich zunächst nur meine neuesten Videos gepostet und ein paar YouTube-Kollegen, sowie Leute aus meiner Community in meiner Freundesliste aufgenommen. Nach ein paar Monaten musste ich jedoch ernüchtert feststellen, dass meine Videos auch nicht wesentlich häufiger geguckt wurden als vorher. Ich neige aber allgemein nicht dazu schnell aufzugeben und ein bisschen was hatte es ja gebracht.

Dummerweise entdeckten mich aber immer mehr Leute aus meinem Umfeld und so hab ich meine eigene Regel, keine echten Bekanntschaften zu verknüpfen, immer mehr aufgeweicht und schlussendlich mutierte mein Account doch zu einem mehr oder weniger persönlichen Ding.

Mein Stream sah dann auch aus, wie jeder andere. Selfies, Nahrung, Katzenbilder, Memes, Sprüche und immer wieder diese dämlichen Werbe-Quiz-Dinger.

"Finde heraus, ob du ein guter Liebhaber bist"

"Welches Tier bist du? Mach den Charakter-Check und finde es heraus"

Natürlich dienen diese Quizze nur dazu, mehr Informationen über das potentielle Werbeopfer zu sammeln. Informationen sind pures Gold für die Datenkrake Facebook und je persönlicher sie sind, desto besser.

Zeit zu gehen

Ich habe mich dann selbst auch immer wieder mal dazu hinreißen lassen, irgendwelchen Mist zu posten. Insbesondere dann, wenn ich ein paar Bier zu viel intus hatte und aus Langeweile auf Facebook rumtrollte. Das ist natürlich genauso dämlich, wie betrunken die Ex anzurufen. Ganz schlechte Idee.

Irgendwann erkannte ich dann, dass es Zeit wird zu gehen. Nicht nur, weil mich diese Käse-Postings meiner "Freunde" genervt hatten und ich mittlerweile nur noch sehr wenige Videos produziert habe. Ich empfand es als totale Zeitverschwendung den ganzen Mist zu lesen und wollte da einfach nicht mehr mitspielen.

Außerdem landeten immer mehr Mails in der Art von

"Herr Sithlord, gewinnen sie jetzt 62 Mio €uro im Lotto"

in meinem Spamordner. Auch heute noch, über ein Jahr nach meinem Austritt, trudeln täglich mehrere solche Mails bei mir ein. Ist ja auch klar, Facebook hat meine gesammelten Daten schon gewinnbringend verkauft und vermutlich tun sie das immer noch. Kann ich natürlich nicht beweisen, aber denkbar ist es.

Mein Leben danach

Es ist übrigens gar nicht so einfach bei Facebook auszutreten. Die entsprechende Funktion ist gut versteckt und ich musste tatsächlich erstmal googlen, wie ich ein für allemal den Laden verlassen kann. Und auch nachdem ich alle notwendigen Klicks getätigt hatte, dauerte es noch 3 Monate bis Facebook endgültig (hoffentlich) alle meine Daten löschte und mein Account passé war.

Endlich Ruhe. Mein Telefon ist mittlerweile sehr ruhig geworden, weil nicht mehr ständig Benachrichtigungen aus meinem Stream eintrudeln und das allerbeste daran ist, dass mein Akku locker 24 Stunden länger hält. Die Facebook-App ist ein Stromsauger vor dem Herrn.

Freunde, die mir wirklich wichtig sind habe ich auch keine verloren. Es gibt tatsächlich andere Möglichkeiten in Kontakt zu bleiben und Dinge zu organisieren. Die anderen 256 "Freunde" dürfen meinetwegen gerne weiterhin tun, was sie halt in ihrem Leben so tun. Mittagessen posten, sich in jeder Lage selbst fotografieren und verzweifelt um Likes betteln – nur ohne mich.

Seid ihr noch bei Facebook und wenn ja, warum? Oder spielt ihr auch mit dem Gedanken auszutreten? Was hindert euch daran? Eure Meinung gerne in die Kommentare.

Über den Author: Timo "Dukuu" Schweda
Dukuu liebt Videospiele und schreibt auch gerne darüber. Auch hängt er gerne mal die krumme Nase in die Kamera und labert dummes Zeug über Videospiele. In seiner Freizeit sollte er lieber mal mehr Sport machen und weniger zocken, damit die fette Wampe ein wenig kleiner wird. Wobei... wen interessiert's?

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