Anthem

Eindrücke aus der "VIP-Demo"

An diesem Wochenende konnten sich Vorbesteller und EA Access Subscriber im Rahmen der VIP-Demo in Anthem austoben. Zumindest in der Theorie.

Von einem holprigen Start der Demo zu sprechen, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Freitag Abend, 18 Uhr, saß ich noch voller Vorfreude am PC und freute mich darauf in BioWare's neuestem Werk einzutauchen. Bedauerlicherweise sind jedoch die Server unter dem Ansturm abgesoffen und so dauerte es bis irgendwann Samstag Mittag, bis ich das erste Mal einen Blick auf den Singleplayer-Hub werfen durfte.

Fort Tarsis gefällt

Der ist richtig schön gestaltet und erinnert ein wenig an einen orientalischen Basar, mit den vielen kleinen Läden und der emsigen Betriebsamkeit der NPC's. Manche Händler konnte man auch schon besuchen, darunter natürlich der obligatorische Cosmetics-Dealer, andere jedoch waren in der Demo noch gesperrt.

Neben den Händlern treiben sich aber auch storyrelevante Charaktere in dem Städtchen rum, die ich im Rahmen der Missionen immer wieder mal besuchte. Je nach Zählweise habe ich im Laufe der Demo 2-5 von ihnen getroffen und war durchaus angetan von den Dialogen mit ihnen. Es besteht also Hoffnung auf eine interessante Story im fertigen Spiel.

Insgesamt erinnert Fort Tarsis natürlich auch an den Turm in Destiny, was in der Natur der Sache liegt – schließlich schlagen beide Spiele in die gleiche Kerbe. Allerdings gefällt mir persönlich das Fort in Anthem deutlich besser. Es wirkt einfach belebter und weniger zusammen gestückelt und in der Folge einfach glaubwürdiger.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich aber dennoch: Die eigene Bewegungsgeschwindigkeit im Hub ist viel zu langsam. Im Urlaub würde ich zwar auch nicht über einen Basar rennen, aber im Spiel ist das aufgezwungene Schlendern auf Dauer ein wenig nervig.

Rein ins Vergnügen

So schön Fort Tarsis auch sein mag, der wahre Spaß findet außerhalb der Mauern statt. Sollte er zumindest, wenn da nicht der Ladescreen-Bug aus der Hölle gewesen wäre. Ich musste das Spiel jedes Mal per Task Manager killen und neu starten, um überhaupt eine Mission spielen zu können.

Als ich es dann endlich schaffte in den Exosuit zu steigen und vom Boden abzuheben, endeten meine ersten Flugversuche am nächstbesten Felsen. Die Steuerung per Maus und Tastatur ist extrem schwammig und kaum kontrollierbar. Das hing zum einen daran, dass die Grundeinstellungen total für den Popo waren und zum anderen die Mausbeschleunigung nicht deaktivierbar war. Letzteres soll aber laut BioWare ab der nächsten Demo behoben sein.

Nach einigen Korrekturen an der Mausempfindlichkeit und 2-3 Stunden Übung war es mir dann aber doch möglich, einigermaßen unfallfrei über die Map zu düsen. Und das machte tatsächlich eine Menge Spaß.

Übrigens: Per Gamepad ist es deutlich einfacher zu fliegen, aber dafür ist es schwieriger präzise zu schießen. Ich bin daher bei Maus und Tastatur geblieben.

Nichts für Epileptiker

Die Kämpfe in Anthem sind ein wahres Feuerwerk. Wenn 4 Freelancer über's Feld fliegen, aus allen Rohren schießen und ihre Ultimates zünden, ist ganz schön was geboten auf dem Bildschirm. Während den Kämpfen stehen bleiben ist dazu noch verboten, wenn man nicht ganz schnell ins Gras beißen will. Anthem ist das genaue Gegenteil von einem Deckungs-Shooter. Während es in Destiny durchaus Sinn machen kann aus der Deckung heraus zu schießen, so ist dieses Vorgehen hier vollkommen daneben. Angriff ist die beste Verteidigung!

Das Waffenhandling ist dabei gut umgesetzt. Alle Knarren fühlen sich unterschiedlich an und spielen sich dementsprechend auch individuell verschieden. Einzig das Treffer-Feedback könnte aus meiner Sicht noch satter sein. Das Niveau von COD oder Destiny erreichen die Entwickler von BioWare hier nicht ganz, kommen aber dennoch nahe genug ran, um ein befriedigendes Gefühl zu erzeugen.

Generisches Missionsdesign

Halten wir einmal kurz fest: Fliegen ist schwierig, macht aber Spaß und die Action ist fulminant. Das Design der Missionen unterscheidet sich jedoch so gut wie gar nicht von den typischen Destiny-Missionen. Mobs töten, Schalter umlegen, irgendwas einsammeln, noch mehr Mobs töten, Boss(e) legen.

Natürlich verbietet es sich von selbst aus 3 Missionen Schlüsse auf's fertige Spiel zu ziehen. Dennoch bin ich einigermaßen skeptisch, ob es BioWare schafft mehr Abwechslung zu bieten, als ihre Konkurrenten von Bungie. Ich würde es mir jedenfalls wünschen, da ich nicht auf ewig repetitive und langweilige Kampagnen stehe. Bedauerlicherweise ist der BioWare-Stempel leider kein Garant mehr für tolle Spielerlebnisse.

Leveln, Craften und Co

Das Basteln an der Ausrüstung gehört selbstredend auch zu einem guten (MMO)RPG. Ich kann mich stundenlang damit beschäftigen meine Ausrüstung zu optimieren, oder auch völlig neue Loadouts auszuprobieren. In dieser Hinsicht erscheint mir Anthem geradezu vorbildlich zu sein. Neben den 4 grundverschiedenen Javelins, die jeweils eine eigene Spielweise erfordern, gibt es offenbar massenhaft Waffen aller denkbaren Gattungen. Leider hatte ich nicht gar zu viel Zeit zum Experimentieren, aber was ich bislang sehen konnte, hat mir ausnehmend gut gefallen.

Natürlich können Waffen nicht nur gelootet, oder käuflich erworben werden. Alternativ ist es auch möglich Ausrüstung und Waffen unter Einsatz von Rohstoffen herzustellen. Leider konnte ich auch das wegen Zeitmangel nicht wirklich ausprobieren, aber alleine die Möglichkeit zu haben erfreut mein Bastlerherz.

Fazit

Ein paar Stunden mit einer instabilen Demo sind einfach nicht ausreichend um ein echtes Fazit zu formulieren. Ich habe viel Zeit damit verbracht, überhaupt irgendwie spielen zu können und die wenigen Eindrücke, die ich gewinnen konnte, lassen mich vorsichtig optimistisch zurück.

Grundsätzlich machen die Spielmechaniken Spaß, die Welt sieht wunderschön aus und es scheint auch alles da zu sein, was ich von einem MMORPG-Shooter erwarte. Allerdings auch nicht mehr und ich sehe auch nicht, was Anthem großartig anders macht, als zum Beispiel Destiny. Mal abgesehen von der Flugmechanik.

Das ist allerdings nichts schlimmes, denn ich hatte mit Destiny (1 und 2) jede Menge Spaß und mehr erwarte ich auch nicht von Anthem. Ein mindestens gutes Spiel mit viel Potential ist es allemal.

Ab dem 1. Februar startet die offene Beta (und ja, ich nenne das jetzt absichtlich Beta und nicht Demo) und ich werde definitiv wieder in den Anzug springen und mit Freude tödliche Geschosse regnen lassen. Vorausgesetzt, dass BioWare die technischen Unzulänglichkeiten weitestgehend abgestellt hat, werde ich dann auch mehr Zeit mit dem eigentlichen Spiel verbringen.

Habt ihr die VIP-Beta gespielt? Falls ja, wie hat sie euch gefallen? Oder steigt ihr am nächsten Wochenende in die offene Beta ein? Schreibt Eure Meinung wie immer gerne in die Kommentare.

Über den Author: Timo "Dukuu" Schweda
Dukuu liebt Videospiele und schreibt auch gerne darüber. Auch hängt er gerne mal die krumme Nase in die Kamera und labert dummes Zeug über Videospiele. In seiner Freizeit sollte er lieber mal mehr Sport machen und weniger zocken, damit die fette Wampe ein wenig kleiner wird. Wobei... wen interessiert's?

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